Es wird „Hotscha“ ausgesprochen, ok. Es ist ernüchternd und traurig. Der mächtigste Mann Albaniens von 1945 – 1985 wäre im Fall eines Krieges um Tirana in einem traurigen, dumpfbraunen Apartement mit dunklem Mobiliar gesessen, befunzelt von gelblichen Leuchten. Ich wünsche Donald Trump reflexhaft ein solches Ende. Musk wäre dann einen Korridor weiter in einem mit Holzbrettern verkleideten ähnlich finsteren Drei-Zimmer-Apartement untergebracht. Allerdings hat Hodxha seinen Atombunker nie benutzen müssen. Genau so wenig wie die anderen 170.000 Bunker, die er seit 1971 errichten ließ.

Ich habe es nach Tirana geschafft.

Mit dem Fahrrad geht vieles leichter, man findet dann doch außerhalb einen Parkplatz, nur dass außerhalb hier immer „Hügel bedeutet ist ein Wehmutstropfen. Tirana ist ein Moloch aus sozialistischen Betonklötzen und modernem Glas-Beton-Design, quicklebendig, aber vor allem voller Autos aller Wertigkeitsstufen. Mit dem Rad kommt man aber gut durch. Im Zentrum gucke ich mir ein bisschen die zentralen Bauten an und klettere auf Hodxhas Ehren-Pyramide. Erst sollte sie abgerissen werden, heute ist sie ein Jugend-Bildungszentrum mit Architekturpreis-Design. Ganz nett.

Ehrenpyramide 2.0

Letztendlich lande ich im Bunk-Art-Museum, davon gibt es drei in Tirana. Ich suche mir das am weitesten außerhalb gelegene aus, das eben mal der Notfallbunker für die Albanische Regierung und das kommunistische Parlament gewesen wäre. Neben den trüben Privaträumen des großen Diktators gibt es einen kompletten Sitzungssaal, der auch als Kino genutzt werden konnte. alle Bunk-Art-Museen kombinieren die Geschichte der Bunker mit der übergreifenden modernen Geschichte Albaniens und das Thema aufgreifenden Kunst-Installationen. Ich finde die Mischung funktioniert ziemlich gut und im Gegensatz zum Heldentempel auf der Burg lerne ich tatsächlich viel über Albanien.

Kleiner Geschichtsexkurs.

Albanien ist zunächst eine Monarchie, als Mussolini es als Teil seines zukünftigen Balkanimperiums begreift. Da die albanische Armee sowieso schon seit den Zwanzigern von italienischen Strippenziehern durchsetzt ist, wird der italienischen Invasion 1939 kaum Widerstand geleistet. Die Italiener bauen dann Albanien ein paar Jahre faschistisch um. Leiden können die meisten Albaner die Besatzung nicht, weshalb sich schnell Widerstandsgruppen bilden. Dann wird es kompliziert, aber im Kern ist es wie in den meisten besetzten Ländern. Der Widerstand trennt sich grob in zwei Motivationen, die Nationalisten und die Kommunisten. Beide haben ein echtes Dilemma: Man hat zwar einerseits den gemeinsamen Feind – Italien – aber andererseits komplett gegensätzliche politische Agenden für ein besseres Albanien. Gerade als sich die Nationalisten und die Linken auf eine Kooperation einlassen, invasionieren die Alliierten Sizilien und Mussolini wird gestürzt. Die Italiener verpissen sich.

Aber wie überall rücken die Deutschen nach und versuchen das italienische Besatzungsgebiet selbst zu halten. Die Wehrmacht verfolgt im Gegensatz zu den Italienern eine Politik der nationalen Autonomie und das zieht die Nationalisten an. Viele werden Nazi-Kollaborateure. Die Kommunisten, nun unter der Leitung von eben jenem Hodxha, gehen in die Berge und kämpfen. Als Griechenland fällt ist der Balkan strategisch unhaltbar für die sowieso immer kaputter werdende Wehrmacht geworden. Sie zieht 1944 ab. Ab jetzt liegt Bürgerkrieg in der Luft. Die linken Kräfte, eher im Süden des Landes konzentriert, erobern langsam den Norden bis sie Tirana erreichen.

Kommunistischer Diktator sein lohnt sich.

Dann wird es international kompliziert, aber am Ende ist Hodxha kommunistischer Diktator. Nach Stalins Tod entscheidet er, dass die UdSSR ab jetzt zu rechts für ihn ist und dreht ein bisschen durch. Allen anderen Kommunisten ist Hodxha zu Hardcore, nur die Chinesen liefern gelegentlich noch ein paar Lastwagen oder Kanonen. Das Land isoliert sich komplett und wird quasi ein europäisches Nordkorea. Hodxha investiert einen Großteil des Staatsvermögens in Bunker, denn der immer paranoidere Diktator sieht nur noch eine Welt voller Feinde. Alle sind froh als er 1985 abkratzt und ein paar Jahre später fallen auch schon die Mauern.

Das Museum macht das alles ganz gut.

Am Ende scharmützle ich mich erst mit Pegasus dann mit Gaspard weiter nach Süden vor. Drei Stunden für 150 Kilometer. Bei irgendeinem Ferienmoloch Namens Vlora setze ich mich ans hinterste Ende der Bucht, kurz vor einer albanischen Marine-Basis. Die Küste ist landschaftliche dramatisch, aber komplett mit Betonquadern für Touristen zugebaut. Für die Nacht wird es aber gehen und ich kann durch das Fenster auf das letzte Licht auf den Wellen blicken.

Vielleicht schaffe ich es morgen nach Korfu.

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