Mann, ist heute wieder viel passiert. Das meiste davon war aber gut.

Schritt 1: Mann am Meer

Im Morgengrauen aufgewacht, schnell raus an den Strand, um den Sonnenaufgang zu erleben. Es ist kalt im ersten Frühlicht. Ewigkeiten kommt links und rechts nix außer Düne und Strand. Dann: Bäm, die Sonne geht hinter den Dünen auf und taucht alles in rotes Gold. Irre. Der Strand wäre der Hammer, wäre er … nicht krank zugemüllt. Fast alles Plastik. Mein Gott, was für eine kaputte Welt hinerlassen wir nur den heutigen Kindern.

Alles was im Gegenlicht so schön aufleuchtet ist durchsichtiges PET

Schritt 2: Mann mit Hund

In der Nähe des Strandes liegt eine osmanische Festung. Google sagt zwar „temporär geschlossen“, aber ich fahre ja quasi dran vorbei. Die Festung neben der Straße besteht aus einem gut erhaltenen Viereck mit Mauern und Türmen, einem im Bau befindlichen neuen „Visitor Center“ in Pyramidenform und einem im Moment verwaisten Campingplatz. Vom Campingplatz läuft mir ein Hund entgegen. Er ist sehr jung, kein Welpe mehr, aber wohl noch vor der Pubertät. Er ist zutraulich und verspielt. Nachdem ich ihn eine Weile gekrault habe („Aber der könnte Flöhe haben!!!“ Ja, fick dich Stefan und geh Beipackzettel lesen …) folgt er mir überall hin. Dumm gelaufen. Aber er ist cool. Er kläfft kein einziges Mal, läuft mit mir quasi einmal bei Fuß um die Festung (Innenraum ist abgesperrt) und erkundet alles. Wir sind für 10 Minuten ein Team. Ich hoffe inständig, dass er jemand gehört und regelmäßig Futter bekommt, was für ein guter Junge. Der traurige Blick, als ich in Gaspard steige und weiterfahre, wird mich noch lange verfolgen.

Schritt 3: Mann auf Burg

Der restaurierte Souvenir-Basar.

Auf nach Kujes in den Bergen nördlich, es ist gar nicht so weit, aber 50 Kilometer sind in Albanien etwas ganz anderes als 50 Kilometer auf der Schwäbischen Alb. Die Straßen sind mies und oft überfüllt. Ich habe bereits ungelogen auf der zweispurigen Schnellstraße ein Pferdefuhrwerk, eine alte Frau an einer Krücke und eine Zehnjährige auf einem rosa Kinderfahrrad überholt. Nie darfst du eine Sekunde die Aufmerksamkeit fallen lassen hier. Nie.

in Kujes gibt es eine alte Burg des hiesigen Nationalhelden und einen restaurierten Basar. Der Basar ist sehr touristisch, die Aussicht von der Burg hingegen der nackte Wahnsinn. Das Wetter ist bombastisch. Das Museum für den Nationalhelden lohnt allerdings nicht, denn es ist gar kein Museum, sondern eine spätkommunistische Verehrungsstätte. Danach Mittagessen, Börek.

Schritt 4: Mann und Scherben

Frische Hellenistische Keramik gefällig?

Eine Viertelstunde den Berg hinunter liegt die griechische Stadt Albanopolis – ja genau, daher kommt der Name des Landes. Graue Mauern ziehen sich den Frühlingshaft blühenden Hang hoch, sattes Grün, Blumenmeer. Auch hier ist gar niemand außer mir. Gelegentlich springen fingerlange Heuschrecken aus den Dornenbüschen neben dem Pfad. Oben bei den Resten der Akropolis angekommen stehe ich vor einer archäologischen Ausgrabung. Sie ist verlassen. Fünf saubere Schächte ziehen sich in das Erdreich, einige Grundmauern sind mit Fließ abgedeckt worden. Aus den Schachtwänden bröseln und erodieren Keramikscherben aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Die Regenfälle in der letzten Woche haben viel ausgespült. Man kann quasi vom Boden der Löcher original griechische Keramik aufpuzzeln. In jedem deutschen Landesdenkmalamt fallen bei dem Gedanken in Ehren ergraute Angestellte von ihren durchgewetzten Bürodrehstühlen, hier ist es einfach so. Geil.

Schritt 4: Von 7 auf 6

Als ich gegen vier wieder vor dem Laden der beiden alten Fahrradschrauber in Durres stehe, ist der geschlossen. Aber der Tante-Emma-Laden-Besitzer von gegenüber, ungefähr im gleichen hohen Alter, spricht mich an. Ob ich mein Fahrrad vermisse? Pegasus steht tatsächlich bei ihm im Laden, zwischen Orangenkisten und Limonadendosen. Seine Kette und sein Zahnkranz ist neu. Eine erste Testfahrt ergibt: Schalten lässt er sich trotzdem nicht. Theorie: Hanslik und Panslik haben sich verdrückt, weil ihnen die seltsame Schaltung von Pegasus über den Kopf wuchs. Ich steuere den nächsten Fahrradladen auf Maps an, auch mehr eine Garage mit Schaufenster, diesmal aber von einem jungen Typen betrieben, der Englisch kann. Er macht sich sofort ans Werk, Ergebnisse: Meine Schaltung ist untypisch; Der Drahtzug war verrostet; Hanslik und Panslik haben mir einen Zahnkranz mit sechs Gängen montiert, meine Schaltmechanik steuert aber sieben. Passt nicht zusammen. Trotzdem bekommt er das Ganze irgendwie so hin, dass sich Pegasus wieder einigermaßen durchschalten lässt. Er schraubt dafür eine Stunde rum und will am Ende umgerechnet 12 Euro haben.

Schritt 5: Dr. Vokopola.

Es geht sehr schnell. Schwups habe ich eine neue Brille auf der Nase und verabschiede mich von der sehr freundlichen Frau Doktor. Endlich wieder ohne Klebeband im Gesicht in der Öffentlichkeit. Es dunkelt über Durres

Jetzt sitze ich wieder auf meinem einsamen Parkplatz hinter der Düne und tippe.

Ich bin sehr müde.

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