Das Morgenlicht zeigt den Wetterumschwung, der sich schon auf Korfu ein wenig ankündigte. Der Himmel ist wolkenverhangen und ab und zu tröpfelt es. Nicht schlimm, aber es verweist irgendwie darauf, dass ich den südlichsten Punkt der Reise erreicht habe. Ab jetzt geht es zurück.
Ich fasse den Plan, heute Albanien zu verlassen.
Das wird eine ganze Weile dauern. Die Straße zieht sich erst in Serpentinen durch die ziemlich beeindruckende südliche Bergwelt Albaniens, bis sie dann gut ausgebaut in einem breiten Flusstal Richtung Tirana läuft.
Überhaupt: Albanische Straßen. Man findet zweierlei: Die alten Schlaglochpisten, über die ich immer hier im Blog jammere. Und die ganz neuen, die in richtig gutem Zustand sind. Das Land tut definitiv viel, um seine Infrastruktur zu verbessern. Google kann leider zwischen beiden Versionen Straße nicht unterscheiden. Heute läuft es ganz gut, was heißt, dass ich gegen 12.00 in der Grenzstadt Shkodra Zwischenstation machen kann. Viel zu sagen gibt es nicht. Die Innenstadt hat eine ganz nette Fußgängerzone mit vielen Kaffees und Läden für Touris. Es gibt mehr Moscheen als Kirchen, die Ecke wirkt eher muslimisch geprägt.
Ich denke, dass ich früh dran bin als ich losfahre, aber dann stehe ich 35 Minuten an der Grenze und die Schlange ist nicht mal so lang. Aber alle kontrollieren dauert halt und wieder denke ich mir: Warum wollt ihr alle wieder mehr fucking Grenze? Sie stiehlt uns nur Zeit. Zwei Bettlerinnen belästigen mich relativ offensiv, obwohl ich ein paar Münzen springen lasse. Unangenehm.
Auch in Montenegro zurück tuckere ich eher die letzten 80 Kilometer in niedrigen Gängen. Jetzt stehe ich am Fuße einer österreichischen Festung in einem ziemlich einsamen Tal. Die Ruine auf dem Berg war in den 1860ern der heißeste Shit, bis die Österreicher 1914 merkten, dass ihre Grenzfestungen der serbischen Artillerie mittlerweile nicht mehr gewachsen waren. Also sprengten sie das Teil schnell selbst in die Luft. Die Logik dahinter erschließt sich mir nicht ganz, jedenfalls liegt die schmucke graue Anlage ziemlich in Trümmern.
Jetzt kommt das Schöne: Man kann einfach ungestört mit einer Taschenlampe durch die Trümmer stöbern. Kein Bauzaun, kein Gitter an Eingängen, nicht mal ein „Betreten verboten“ – Schild, nur eine Infotafel zur Geschichte. Wie angenehm.
Morgen werde ich mich nach Kroatien weiter schlagen. Das Wetter wird wohl erstmal wieder grau und nieselig bleiben.
Ich freue mich sehr auf Reisen in der EU.
