Letzter Tag der Fahrt – nicht viel passiert. Früh morgens raus, alles liegt im Regen. Traviso ist ein ziemlich trostloses Grenzkaff zwischen Eisenbahnlinie und Autobahn. Man ist in wenigen Minuten in Österreich, dann zwei Stunden über die Wegelagerer-Autobahn zur deutschen Grenze. Die Strecke ist wahrscheinlich ohne Regen und niedrige Wolken sehr schön. Heut halt net. Dann wieder BRD. Fühlt sich schon wieder sehr vertraut an, denn der Verkehr ist so beschissen wie in keinem anderen Land der Reise. Jeder andere fährt irgendwie freundlicher durch die Welt als eine* Deutsche*r.
Gegen halb elf dann in der Geburtsstadt angekommen. Mittagessen bei Mama in der alten Wohnung.,
Mehr Heimkommen geht nicht.
Was bleibt ist ein Rückblick. Wie war meine Balkanreise und – falls ihr das auch tun wollt – was würde ich empfehlen?
- Meine Reise war absolut großartig. So viele Menschen getroffen, so viele Städte und Länder gesehen, die ich bisher gar nicht oder nur flüchtig kennengelernt hatte.
- Der Balkan ist wunderschön -vor allem landschaftlich. Besonders Fans von dramatischen Küsten und noch dramatischeren Bergen sind hier gut aufgehoben. Auch Wanderwütige finden definitiv absolut umwerfende Ziele.
- Balkan ist nicht gleich Balkan. Zwischen Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Albanien gibt es deutliche Unterschiede, und mit denen muss man klarkommen. Nett sind die Menschen hier überall, je weiter man nach Süden kommt, desto netter und entspannter. Man wird dich als Touri ein bisschen ausnehmen, aber nur ein bisschen und sehr freundlich. Gib dicke Trinkgelder, vor allem in Ländern, wo du für nen Zehner ein Abendessen mit Getränken kriegst.
- Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr Müll liegt herum. Das einfach so mit gerümpfter Nase zu konstatieren ist sehr von westlicher Arroganz geprägt und von der Illusion, mein eigener Plastikmüll würde sich in Luft auflösen, nur weil ich ihn als braver Deutscher in eine gelbe Tüte stopfe. Er liegt halt womöglich dann in einem anderen Land im Gebüsch herum. Aber Natur ohne deutliche menschliche Spuren ist in Albanien nur in den entlegendsten Ecken zu finden.
- Nehmt Hunde- und Katzenfutter mit, außer ihr habt sehr harte Herzen.
- Das Land riecht auch im Frühling schon nach Trockenheit, Staub und Hitze im Sommer. Die Waldbrandgefahr ist hoch und ich habe einige verkohlte Gebiete durchfahren. Ich würde sagen, die perfekte Reisezeit ist im April oder im Oktober. Im Sommer kann es sicher anstrengend bis lähmend hier werden. Der Klimawandel wird dem gerade aufblühenden Tourismus in der Ecke wie überall am Mittelmeer sehr zusetzen.
- Je weiter man nach Süden kommt, desto mehr muss man seinen Autofahrstil anpassen. Standhafte Teuton*Innen werden sich mit inneren Krisen konfrontieren müssen. Der Verkehr ist chaotisch, manchmal todesmutig, aber immer freundlich. Überholmanöver passieren auch in den Gegenverkehr hinein, wenn die Straße breit genug für drei Fahrzeuge ist. Straßen sind oft nagelneu. Oder aber noch nicht. Dann wird Fahren ziemlich aufregend. Man lernt schnell auf der Autobahn um Tirana auch bei Tempo hundert Schlaglöchern auszuweichen. In Albanien installieren die Gemeinden künstliche Bodenwellen von brutaler Größe, ohne sie wie z.B. in Frankreich mit Warnschildern anzukündigen. Übersehe da am besten keine. Werde nie unaufmerksam. Du hast zwei Rückspiegel, damit du weißt, was hinter deinem Fahrzeug gerade geschieht, also benutze sie auch.
- Fahr dahin, es lohnt sich.
Ich sitze nun wieder am heimischen Schreibtisch, habe eine Kaffeetasse, eine vollständige Küche und eine ständige bereite Dusche. Mehr als eine Sitzgelegenheit. Das ist schön. Und trotzdem denke ich mir gerade schon wieder: Ach, so mit Gaspard on the road …
Bis zum nächsten Mal.