Ich befinde mich mental bereits auf der Rückfahrt. Will heißen, die großen Ziele sind besucht worden, heute war irgendwie ein wenig Ratlosigkeit, wie ich den Weg nach Vilnius sinnvoll gestalten soll.
Zunächst einmal: Das lettische Hinterland ist streckenweise ein idyllischer Fiebertraum. Kilometerlange Wälder, Hügel, blumenübersähte sanfte Wiesen, kleine Dörfer. Störche allenthalben. Auf den gut ausgebauten Landstraßen ist nicht viel los.
Gegen Mittag lande ich wieder an der Düna, an einem komplett unbemerkenswerten Ort namens Jekabpils. Ich will es nochmal versuchen mit der Front von 1917, obwohl es mir noch immer nicht gelungen ist, irgend einen Verlauf davon im Detail online zu recherchieren.
Na ja: Fehlschlag.
Dafür tut mir jetzt mein Knie weh, dass seit Suonnenlinna ein wenig herumziept. Das Querfeldeinlaufen an der Düna hat es nicht begeistert und ich stehe nach einer Stunde Runde auf Waldhügeln wieder vor Gaspard. Dafür sind mir sehr zutrauliche Hasen begegnet, die Wanderer ziemlich nah ran lassen, bevor sie Fersengeld geben.
Übrigens schmeißen auch lettische Waldbesitzer gerne mal Kühlschränke oder Röhrenfernseher neben ihre Holzmachplätze, das scheint überall auf der Welt gleich zu sein.
Ich mache schon gegen 17.00 an der Grenze halt, um mein Knie ein wenig zu schonen, dass jetzt auch Kuppeln nicht mehr besonders mag. Ich hoffe, dass eine ruhige Nacht das Problem ein wenig lindert. Der Grenzort heißt Subate und sieht komplett so aus, als wäre er eine russische Kaserne gewesen und hätte sich seitdem nicht besonders erholt. Aber ich entdecke einen ganz schönen Platz im Wald, diesmal ohne allem Luxus, um dort in der Sonne Kaffee zu trinken, Comic zu lesen und dem aufziehenden Abend zuzuschauen.
Hoffentlich gibt morgen Vilnius mehr Text her.
