Ich muss sagen, dass die walisischen Schafe tatsächlich ganz besonders elegante Bewegungen und hübsche Köpfe haben. Ich kann verstehen, warum man da nach einer Weile auch mal in eine Liebesbeziehung reinrutschen kann.

Aber zu den Schafen komme ich nochmal am Ende.

Denn zunächst mal beginnt der Morgen im Umland um Oxford. Es scheint ein schöner Tag zu werden, nur auf der Straße vor dem Parkplatz liegt eine frisch zerfetzte Taube, wer immer sich die in der Nacht geholt hat war dabei ziemlich leise.

Die Fahrt nach Westen verläuft ganz reibungslos. Der Einzug nach Wales über die gigantische Prince-of-Wales-Brücke über einen Meeresarm ist ganz schön erhebend und als mich auf der anderen Seite ein großer, roter Drache begrüßt steigt meine Laune dann doch erheblich an. Gegen 10.00 rolle ich in Cardiff ein und auf den ersten Blick wirkt die Regionalhauptstadt ziemlich wie die „dirty old town,“ die ich vor einigen Tagen in einem Pub in London begröhlt habe. Hier stresst auch die Straßenführung wieder. Es gibt diesen einen Kreisverkehr, in dem ich es zweimal hintereinander nicht schaffe, die richtige Ausfahrt anzuvisieren. Wer kommt auf so was?

Aber ein bisschen später sitze ich auf Pegasus und radele Richtung Innenstadt. Die ist nicht mal so erwähnenswert, im Gegenteil, zunächst denke ich „ein bisschen wie Stuttgart.“ Dann lande ich in dieser sehr, sehr geilen Markthalle und finde plötzlich: „Geil, so gar nicht wie Stuttgart.“

Geil, so gar nicht wie Stuttgart.

Alles ist so ein bisschen schrammelig, im Erdgeschoss finden sich vor allem Lebensmittel, auf der Gallerie haben sich ein Second-Hand-Plattenladen, eine Kleiderboutique, ein Spielzeugstand und ein Tierbedarfshop in den Nischen breitgemacht. Hier rennt keiner rum, um die neue Gucci-Jacke am Käferstand auszuführen und mit Frau Professor Böhnendorf frisch aus Samos eingeflogene Kalamati-Oliven zu besprechen; Hier wollen alle nur Zeug einkaufen und das zu fairen Preisen. Ich erstehe aus purer dummer Neugier heraus eine Cornische Pastete (die natürlich fleischgefüllt ist) und einen Klumpen Breadpudding.

Die Papiertüte mit den beiden Sachen wiegt gefühlt drei Kilogram.

Auch nicht wie Stuttgart ist die riesige Burg in der Mitte von Cardiff, an deren Mauer ich 10 Minuten später in einem kleinen Park sitze und Mittagsvesper einlege. Die Pastetenfüllung ist undefinierbar grau mit kleinen Möhrenstückchen und könnte auch von Sweeny Todd aus der Fleetstreet hergestellt worden sein. Nicht so geil. Ziemlich geil hingegen ist der Breadpudding. Zwei Möwen setzen sich passiv agressiv vor mich und kieksen mich gelegentlich an. Ihre Absichten sind eindeutig und ich zische ihnen ein definitives „nix gibt’s!“ entgegen. Dann stelle ich fest, dass im Bread-Pudding Rosinen sind. Rötliche.

Ich schieße keine Möwen tot,
ich lass sie lieber leben
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

(C. Morgenstern)

Ich kann nicht anders. Natürlich kriegen Emma und Emma doch Rosinen von mir zugeworfen, alleine der Poesie wegen. Die Burg allerdings bietet für den aufgerufenen Eintrittspreis viel zu wenig. Die alte Burg ist eine leere Hülle; Die „War-Tunnels“ sind eine durchsichtige Entschuldigung für eine ordentliche Ausstellung; Die neo-gotischen Räume des Neubaus sind ziemlich ansehlich, aber es sind nur wenige zu besichtigen. Würde ich mir bei einem zweiten Besuch sparen.

Ich entdecke noch einen Warhammer- und einen Rollenspiel-Laden, fahre durch einen Park am Flüsschen entlang und bin dann auch irgendwie durch mit Cardiff.

Jetzt kommen die Schafe ins Spiel.

Ich möchte nämlich endlich ins wilde Hinterland, England war schön, aber man kann keine Bierdose da schmeißen ohne zwei Landsitze damit zu treffen. Wales ist anders, je weiter man rauskommt und je öfter man abbiegt, desto höher und karger werden die Hügel und desto enger werden die Straßen. Holy Muttonfucker, bin ich über mein sizilianisches Fahrtraining heute froh gewesen. Die letzten Sträßchen im Nationalpark sind nämlich definitiv nicht für Gegenverkehr geeignet, dafür aber gesäumt mit freigrasenden … Schäfchen.

Am Ende grasen sie dann auch um Gaspard, der nun auf einem Wanderparkplatz im Nationalpark steht. Alleine bin ich hier nicht, hier ist eine kleine Campinggemeinde vor Ort, aber die Schnaks mit den Nachbarn waren alle bis jetzt sehr nett. Und um mich rum erheben sich beeindruckende Hänge.

Heute endlich mal eine Nacht ohne Streulicht.

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