Dies ist der letzte abendliche Eintrag am kleinen Klapptisch im Bus. Morgen Abend sitze ich wieder zuhause. Ich könnte mir noch ein paar Tage länger leisten – spätestens am 04.10. hätte ich einen Termin – aber es ist erst einmal genug.

Zum einen finde ich es schön, demnächst wieder etwas aus einem Schrank holen zu können, ohne dass mir dabei drei andere Sachen entgegenfallen; Einen Herd mit vier Platten zu nutzen; Morgens einfach einen Hahn für eine warme Dusche aufzudrehen; sich einfach in ein Bett legen, ohne erst einen Umbau der Räumlichkeiten initiieren zu müssen. Camper-Life war geil, aber jetzt ist es dann auch wieder gut.

Zum anderen ist das Wetter jetzt deutlich kühler, verregnet und auch windig. Die Tage, an denen ich mit Shorts und T-Shirt über Strände ging sind vorbei; Schon seit einigen Tagen mummel ich mich nachts wieder in den Winter-Schlafsack anstatt in die Decke; nachher zum Kochen werde ich Fließpulli, Softshell UND Daunenweste tragen. Zeit für einen warmen Tee in meiner Wohnung.

Zum Dritten habe ich angefangen Gespräche mit einem Fahrrad und einem Bus zu führen und ihnen gelegentlich Dinge mitzuteilen.

Nein, keine Wilson-Beziehung für mich, Stuttgart, here I come. Heute morgen hatte ich den prächtigsten Sonnenaufgang über dem Wald vor mir bei – laut Wetter-App – fucking 4 Grad Außentemperatur. Heute ist Waschtag, und ich habe angesichts der kalten Luft lange gezögert, aber nun kann ich sagen: 14 Grad und starke Böen ist schlimmer als 4 Grad und windstill. Dafür stand ich so einsam, dass ich es ohne Badehose gewagt habe – ja, hier hättet ihr weglesen sollen – und alter Fasan, war das interessant nackig vor dem Bus zu stehen.

Hier in der Gegend brauche ich nicht mal ein Navi, ich kenne mich aus. In St. Mihiel hat am Sonntag der Supermarkt sogar auf; praktisch. Gegen 9.30 steuere ich die Parkbucht an der Ferme des Chambrettes an und schlage mich ins Gelände.

Ein Haufen Heringe. Glaube ich.

Nur noch der Ort auf der Karte heißt nebenbei so, von der namensgebenden Farm findet man im Gebüsch nur noch drei größere Ziegelhaufen auf dem Schlachtfeld von Verdun.

Ich bin den ganzen Tag hügelauf-hügelab getrappelt: Gewehrpatronen, komplett, nur als Hülse, nur als Geschosspitze; zwei Porzelanknöpfe; Millionen Granatsplitter; Ein paar Blindgänger, ziemlich sicher 75 mm und 15 cm; Stacheldrahtstückchen; Flaschenscherben; eine französische Feldflasche; Zünderköpfe; ein Schuh; viele eindrucksvoll verbogene Schweineschwänze und andere Drahtverhaupfähle; zwei Spaten; eine Hacke; ein Stapel Zeltheringe (?); eine Telefondrahtrolle; diverse obskure Metalltrümmer, meist wohl Teile des Geschosskopfes; ein Blecheimer.

An einem kürzlich gerodeten Hang entdecke ich eine Handgranate neben der anderen – verschiedene Modelle, aber alle aus französischer Produktion. Sie sind hier wirklich so zahlreich verstreut, wie es mir noch nie untergekommen ist, als hätte jemand oben einfach ein paar dutzend Kisten mit den Dingern den Hang hinuntergeleert. Ich bewege mich hier sehr, sehr vorsichtig durch die Botanik, denn alle Blindgänger sind gefährlich, aber die kleinen leider ganz besonders. Wird spannend, wenn der Hang nächstes Frühjahr zuwächst.

Heute kein einziges Tier gesehen, außer ein paar Vögeln.

Nun stehe ich auf dem Parkplatz der Festung Froideterre und hoffe, dass kein anderer Camper ihn kennt. Ganz neue Schlösser und Ketten an den Gittern, andererseits fehlen die Gitter an einigen Eingängen seit ca. 1920 oder so. Man fragt sich nach dem Sinn. Muss aber heute nicht drin rumgeistern, habe ich vor drei Jahren schon getan, war unheimlich.

Ich esse jetzt noch, lese etwas und mache den letzten Rest von diesem furchtbar süßlichen Rosé alle.

P.S.: Natürlich rollt gerade jetzt einer dieser Kack-Riesenbusse an …

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