Ich sehe aus wie ein Penner aus einer ZDF-Kommödie. Kein Kompliment will ich meinen. Grüner Ami-Parka, alte Jeans, grobe Stiefel, Mütze und diese Strickhandschuhe mit abgeschnittenen Fingern. Wenn man mir noch eine Geige und einen traurig dreinblickenden Bobtail verpasst, dann bin ich absolut ready für die große Weihnachtskommödie im ÖR, 19.30, dritter Advent, „Ein Engel voll Glühwein“ mit Moritz Bleibtreu und Palina Rojinsky.

Aber wer im Dezember campen will, muss Opfer bringen.

Ein bisschen Zeit vergangen, seit meiner Rückkehr aus dem verlängerten Sommer in Westeuropa und dem heutigen Dezember in Gaspard. Zwischendrin habe ich übrigens:

  • in Berlin gecamped, Konzerte besucht, mich von der Trump-Wahl runterziehen lassen.
  • Leute besucht.
  • Viel Theater begleitet, vor allem bei meiner heiß geliebten Bühnen-Family SPIEL-Betrieb.
  • Mit meiner Mama 8 Sorten schwäbische Weihnachtsbretla gebacken

Aber dann sitze ich wieder vor meinem Computerspiel, nachdem ich You-Tube und Reddit leergekuckt habe und denke mir: Was fange ich mit meinem Jahr in der kalten Jahreszeit an? Sollte ich nicht irgendwas damit machen? Außer den Tag mit meinem Nerddom zu verbringen?

Die Lösung ist offensichtlich, dass ich wie ein Penner aus der Kostümkammer aussehe.

Wintercamping war das Zauberwort und irgendwie konnte ich auch nicht mehr so richtig ohne den alten kleinen weißen Bus. Als ich heute morgen mit Gaspard vom Parkplatz rolle, überkommt mich ein Grinsen, weil ich endlich wieder mit ihm verreisen darf. Natürlich habe ich mich nach Frankreich mit ihm verzogen, das hat zwei ganz einfache Gründe: Zum einen bin ich, wenn es ganz kacke wird, in fünf Fahrstunden an meinem warmen Bett. Zum anderen wird mir hier nie langweilig. Nie.

Ich habe diese alte Karte auf meinem Tablet. Eigentlich ist es eine Artillerie-Karte vom Juni 1918, das heißt die Deutschen haben ziemlich großflächig jede französische Batterie, die sie lokalisieren konnten, eingezeichnet, mit Kaliber, Feuerfrequenz und Ausrichtung. Aber sie haben darüber hinaus blau schraffiert alle französischen Lager hinter der Front markiert, von denen sie wussten. Und ich muss sagen, bis jetzt wussten sie ziemlich genau, wo Jacques schläft, kocht, seine Verwundeten pflegt oder Munition stapelt. Ich streune also in jenen markierten Schluchten von blau schraffiertem Hang zu blau schraffiertem Hang und starre in Löcher. Freue mich, wenn ich eine schöne Flasche finde, oder einen Uniform-Knopf oder eine löchriges Feldgeschirr. Kein Unterschied zum Sommer, nur dass ich noch alleiner bin und die Brombeeren nicht so nerven.

Doof nur, dass es nun so viel Nacht und so wenig Tag gibt. Ich sitze schon seit 16.00 (Dämmerung) in Gaspard und gegen 17.00 wurde mir dann ziemlich frisch. Jetzt ist es kurz vor acht und der kleine Gasofen, den ich mir bestellt habe, bullert und grummelt vor sich hin. Mit ihm ist es auszuhalten. Ich habe ein heißes vegetarisches Chilli gegessen und werde nach dem Schreiben dieses Textes die Weihnachts-Bretles-Dose öffnen, die mich begleitet. Den Gasofen darf man zwar in Innenräumen laut Anleitung gar nicht betätigen, aber ich ficke mal wieder die Sicherheitsvorschrift und bis jetzt fühle ich mich sehr lebendig.

Mein Leben könnte schlechter sein.

Bald ist Weihnachten und Neu-Jahr und die meisten Menschen wissen ja dann, wo sie sein werden. Ich auch, es ist nicht aufregend, aber ich bin sicher versorgt. Am 03. Januar breche ich dann nach Sizilien auf. Da ist es hoffentlich schon wärmer wie die drei Grad, die ich jetzt vor dem Bus habe, und dann sehen wir, wohin mich 2025 führt.

Mag die Welt zur Hölle fahren, ich möchte sie noch ein wenig genießen.

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