Der Morgen beginnt mit Nieselregen und Nebel. Eigentlich ganz gemütlich, in das Getröpfel herauszustarren und einen heißen Instant-Cappuchino zu schlürfen. Gaspard aus dem Picknickplatz zu rangieren wird aber zur Herausforderung. Die Dreckrampe ist extrem schmal und die Einfahrt mit dicken Wurzeln und alten Baumstümpfen gespickt. Mehrmals schrammt etwas am Unterboden und ich habe echt Schiss, an diesem gottverlassenen Ort hängen zu bleiben. Irgendwie komme ich auf die Straße und nach erstem Augenschein hat der Kleine nix abgekriegt.

Manchmal wäre es schon gut, jemand als Hilfe dabei zu haben.

Im Moment sitze ich am Strand. Vor mir das Meer und die Untergehende Sonne, neben mir Gaspard, und wir beide gucken in die Wellen und wie Helios mal wieder den Karren im Meer versenkt. Irre.

Wie kam es zu diesem Szenenwechsel? Zunächst mal mit einer relativ langen Fahrt durch Nebel und Regen, immer entlang der Küstenstraße oder durch die Berge parallel davon. Überhaupt: Berge. Bis jetzt war Italien eine einzige Bergstrecke. Pink Floyd trägt mich mit „dark side of the moon“ perfekt durch diese etwas melancholische Welt. Manchmal öffnen sich entlang der Strecke dramatische Ausblicke auf die Küste, azurblaues Wasser dass schnell im Horizont zu grau verschwimmt.

Die Bucht von Sari – Bei Sonne sicher der Hammer.

Überhaupt, Pink Floyd: Seit Pompeii sind sie wieder ziemlich in meinem musikalischen Fokus. In den ansonsten nicht zugänglichen Gängen für die römische Oberschicht in der Arena-Mauer gastiert nämlich gerade eine eher mittelmäßig gemachte Ausstellung zu einem Ereignis von 1972, ein Jahr vor meiner Geburt. Pink Floyd live at Pompeii sollte ein Anti-Woodstock-Musikfilm werden, in der Art, dass the Floyd ohne Publikum in den Ruinen der Arena spielten – quasi für die Toten. Die Idee war, dass Musikfilmregie ohne Publikum viel mehr erreichen kann als bei einem herkömmlichen Konzert, wenn die Unterhaltung des Publikums Vorrang vor der Arbeit mit Kamera und Szene hat. Das Projekt wurde auch als „whackiest idea in the history of rock“ bezeichnet, die Grundidee nimmt natürlich das Konzept des modernen Musikvideo vorweg. Jedenfalls verkrachte sich die Band ganz hervorragend bei den Dreharbeiten. Das Ding gibt es auch auf YouTube, so dass ich für heute Abend eine Filmnacht geplant habe. Ich möchte mal Roger Waters auf dem Höhepunkt des Schaffens von Pink Floyd von seiner heutigen ziemlich peinlichen Persönlichkeit trennen.

Nun ja, zurück zum Thema: Ich war mir heute gar nicht so sicher, wo es mich hin verschlägt. Geplant war einmal Cosenza, aber das liegt nicht am Meer. Jetzt sitze ich in Paola, wo das Wetter besser wurde – trocken. Und ich habe es gut getroffen hier.

In Paola gibt es einen riesigen Kiesparkplatz direkt vor dem Strand. Ich werde mit einem Blick auf das Wasser einpennen und auch wieder erwachen. Paola ist selbst allerdings ein ungehobener Schatz. Die steilen Berggässchen habe ich so nur in einigen griechischen Cora gesehen, eng, mit Stufen, so dass in vielen Straßen nicht mal Roller durchkämen. Wo in den Kykladen alles im Zeichen des Tourismus stehen würde, ist in Paola das ganze so ein bisschen im Dornröschenschlaf versunken. Geschlossene Strandbars verraten, dass die Küste Tourismus anzieht, aber der Ort ist ein bisschen heruntergekommen, viele Häuser sind aufgegeben, einige werden gerade renoviert. Das macht seinen eigenen Charme. Dazu kommt, dass hier alles im Zeichen des obskuren Stadtheiligen steht, einem gewissen Santo Francesco, der aber nichts mit Franz von Assissi zu tun hat. Er kuckt von jeder zweiten Fassade herunter, einmal als Fresko, einmal als Statue.

Ach ja: Ich habe heute mein erstes Eis gegessen.

Gaspard macht mir ein bisschen Sorgen. Ich finde, er zieht nicht mehr so gut wie früher, wobei „gut“ schon immer kein Thema für ihn im fünften Gang war. Aber er hat jetzt da so ein Schubloch. Hoffe mal er hält durch und dann kommt er daheim mal in Inspenktion. Hoffentlich ist es nur ein dreckiger Luftfilter oder eine abgenudelte Zündkerze. Drückt dem Kleinen die Daumen.

Es wird langsam kühl. Nachher suche ich mir irgendwo eine Pizza und dann gibts Rotwein und Pink Floyd. Und morgen dann hoffentlich die Überfahrt nach Sizilien.

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2 Comments

  1. Gaspard ist eind Diesel, der hat keine Zündkerzen 😜 Kommt hinten weißer Qualm raus? Das wäre eine Undichtigkeit, z.B. Zylinderkopf…

    Gaspard ist übrigens eine coole Mischung aus Gasgeben und Gepard… ein alter, langsamer Gepard 😉

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