Update, 02.01.2020: Rückkehr zu einer Landgemeinde

Wie die Epic-Empires-Orga am, 19. Dezember meldete zeichnet sich eine vorläufige Lösung der Probleme zwischen Behörden und LARP-Veranstalter ab.

Zwischen Pächter, Stadt und übergeordneten Behörden scheint es jetzt zu einer Eingung zu kommen, die zumindest einen Verbleib auf dem Utopion für das Jahr 2020 ermöglicht. Eventuell hat auch ein großes Presse-Echo dazu beigetragen, dass man sich von Seiten der Offiziellen jetzt an einen Lösungsversuch der Misere macht.

Damit ist mir zunächst ein großer Stein vom Herzen genommen – nicht nur, dass es für mich wahrscheinlich ein Wiedersehen mit dem kleinen Bexbach gibt, auch muss das Epic Empires nicht umziehen. Für Außenstehende ist es nur schwer nachzuvollziehen, wieviel Zeug eine LARPer-Gemeinde auf und neben einem Großcongelände eingeweckt hat, Insidern wird wohl alleine beim Begriff „Waldfundus“ schlecht, wenn sie darüber nachdenken, wie das Material von Bexbach nach X kommen soll. Soweit so gut, auch die Damen beim Zöllner sehe ich also wieder. Schön.

Unklar ist aber wohl nach wie vor, wie die weitere Zukunft der Großcon aussieht und ob man für spätere Jahre nicht doch noch die Location wechseln wird, weil auf dem UTOPION-Gelände verordnungstechnische Bremsklötze nicht komplett beseitigt werden können. Das bleibt jetzt also abzuwarten. Auch die politische Provinzposse zwischen Partei-Ortsvereinen scheint nicht beigelegt zu sein, sofern ich das aus dem fernen Schwaben bei der Lektüre saarländischer Zeitungen einschätzen kann.

Mir am liebsten wäre natürlich, das Epic könnte für alle Zeit auf dem Utopion bleiben. Offensichtlich waren wir beim letzten Event derart vorbildlich, dass der von uns im Landschaftsschutzgebiet zurückgelassene Müll von 1000 LARPern nach der Con in einen A5-Beutel passte. (Quelle)

Das soll uns die SPD Bexbach beim Thema Landschaftschutz mal nachmachen.

Dennoch: Allen Beteiligten, die sich für eine Lösung der Verwaltungswirren eingesetzt haben, sei mit gezogenem Eisenhut und angelegter Latex-Langwehr gedankt.!

Originalpost:

Ein offener Brief an 66450 Bexbach im Saarland

Liebes Städtchen Bexbach, liebe Bexbacherinnen, liebe Bexbacher, liebe Bexbacher Verwaltung und Gemeindepolitiker*innen,

seit nunmehr über 10 Jahren komme ich nun in eure Kleinstadt an der Autobahn, die etwas vernachlässigt zwischen Homburg und Saarbrücken liegt. Ich bin ehrlich: Ich fand Bexbach nie schön oder sehenswert, aber aufgrund der vielen positiven Erlebnisse, die ich mit eurer Stadt verbinde, habe ich die kleine Gemeinde doch irgendwie lieben gelernt.

Ich bin LARPer.

Aber nicht nur das Utopion-Gelände, mit den Wäldern, den Steinbrüchen, dem wunderbaren Bach, den sanften Hügeln liebe ich inniglich. Ich habe auch in eurer Eisdiele auf dem Marktplatz gegessen, in der Pizzeria, beim Zöllner Brot und Käsewecken gekauft, bei Rewe, Lidl und Real Lebensmittel und Wasser besorgt, auch eine Badehose, ein Handtuch oder ein T-Shirt aus eurem Handel liegen noch in meinem Stuttgarter Kleiderschrank. Zum Baumarkt mussten wir ja immer nach Homburg, aber wenn es ging, versuchten wir die lokale Wirtschaft zu fördern. Mit vielen Bexbacher*innen hatte ich dabei freundliche Kontakte. Zu den Bäckereiverkäuferinnen an der Hochstraße, zu der Dame hinter der Esso-Kasse daneben sagte ich im August, wie jedes Jahr, seit über 10 Jahren: „Bis zum nächsten Jahr – ich freue mich.“

Über dieser Erinnerung liegt jetzt leider ein Schatten der Ironie. Vermutlich wird es kein nächstes Mal geben, keinen nächsten Einkauf, keinen nächsten Eisbecher, keine nächste Tankfüllung für die Rückfahrt.

Bexbach, was ist bloß los mit dir?

Du willst mich nicht mehr, als Kunden, als Hobbyisten, als Freizeitgestalter. Und das hat man, bei aller Zuneigung zu dir als Städtchen, in den letzten Jahren gemerkt. Denn langsam aber sicher hast du uns, als EPIC EMPIRES-Gemeinde, die Atemluft und den Spaß an der kreativen Freiheit abgedreht.

Wer sich erinnern kann, wie ungebunden wir 2009 auf dem Gelände waren, der hat Bexbach 2019 kaum noch wiedererkannt. Nicht vom Stadtbild her – da hat sich nicht viel getan – sondern von der vorherrschenden Atmosphäre.

Regeln, Verbote und Beaufsichtigungen und ja, wohl auch Verwaltungschaos – das ist kein gutes Konzept für einen Standort, der um Gäste etwas kämpfen muss, weil andere Ziele im Saarland bekannter sind als, nun ja, als Bexbach, ein Ort, bei dem ich meinen Freunden hier immer erklären muss, wo das liegt. Aber gerne halte ich mich an die Regeln. Ich habe meine Feuerstelle nach Vorschrift gebaut und abgesichert, ich bin nicht mehr zum Bach gegangen, ich habe Feuchtwiesen und Sperrzonen respektiert und ich habe Holzstückchen aus der Wiese am Übhaus mit den Fingern gepult, weil man das so von mir wollte. Aus Zuneigung zu diesem Ort.

Aber diese miesepetrige Koalition aus Vogelschützern – der BUND scheint mir in Zeiten von globalen Bewegungen wie „Friday for Future“ doch etwas von der momentanen Ökologiediskussion abgekoppelt – und verständnislosen Lokalpolitikern, Bexbach, das sage ich dir ehrlich, das war für mich menschlich schwierig. Dieses Grundmisstrauen, das mir als bravem Menschen entgegenschlug, das hat den Sympathiegehalt doch irgendwie gemindert. Dazu kamen besorgte Bürger, die bei Begehungen vor Ohrenzeugen aus unseren Reihen äußerten, ich, als Liverollenspieler, sei so etwas wie eine Sünde an der Natur. Große Fragezeichen tun sich da auf, auch wegen der stilistisch unangenehmen Nähe zur wöchentlichen Pegida-Demo auf dem Stuttgarter Schlossplatz, und nein, liebe Bexbacher, das brauche ich nun in meinem Urlaub wirklich nicht.

Bexbach, was ist los mit dir?

Wo ist die Freiheit um deine Hügel hin? Um ehrlich zu sein, nach dieser Äußerung war ich mir nicht mehr sicher, ob ich deinen Gewerbetreibenden, liebes Bexbach, noch mein Freizeitbudget anvertrauen möchte. Ich fühle mich als Kunde nicht mehr gut behandelt. Und wie kürzlich zu lesen war, geht es unserer ganz fantastischen Epic-Orga da leider ähnlich. Und jetzt dämmert das Ende einer langen, meist schönen Beziehung. Aber irgendwann geht die Liebe weg und man trennt sich.

Wir waren 1300 Brötchenkäufer, Getränkebedürftige, Grillgutbezieher, 1300 potentielle Gäste für Freibad, Restaurants und Cafes. Einige von uns sollen gerüchteweise sogar im Hotel geschlafen haben, weil das Alter zu Wohlstand und geringerer Verträglichkeit von Zeltnächten führt.

Bexbach, was ist los mit dir?

Ein neues Großveranstaltungs-Gelände, das findet sich nicht so leicht. Das zeigt, wie unerträglich für die EE-Orga die Planungsunsicherheit mit euren Behörden und Gemeindevertretern geworden sein muss. Aber andere Städte leben vor, wie es geht, und ja, auch da sind wir ehrlich, wie es besser geht, als ihr es am Schluss noch konntet. Brokeloh in Niedersachsen und Wacken in Schleswig-Holstein, da hätte man sich mal erkundigen können, wie man aus Horden von Gästen ein Medienereignis und eine Trademark für kleine Orte macht. Aber ehrlicherweise sind das auch noch mal mehr Besucher als völlig vernachlässigenswerte 1300 Gäste mit Geld in der Tasche.

Bexbach, ich möchte nicht so bitter enden, wie ich in einigen Absätzen wurde. Ich wünsche dir alles Gute, deiner staubigen Dorfstraße mit den Kleine-Leuten-Siedlungen dahinter, dem kleinen Zentrum – möge es dir wohl ergehen! Viel Glück mit deinen öffentlichen Vertretern und den Aktivisten in deiner Mitte – möge das alles gut für dich enden.

Aber ich, ich werde, so Gott will, mit den Anderen, die über 10 Jahren zu deinen grünen Hügeln kamen, mein Glück in meinem Hobby wohl woanders suchen.

Müssen.

Schade. Echt schade.

Es grüßt dich auf ewig

Achim Vetter, OStR (Stuttgart)

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