Bronzezeit und Faschismus

Schon in der Nacht wurde mir klar, dass ein Wetterbericht keine üble Sache ist. Der auf Gaspard trommelnde Regen und Windstöße, die den Bus wackeln lassen machen deutlich: Meine Idee vom Sonnenaufgang auf dem Ätna kann ich abschreiben. Als ich dann recht früh rauskrabbele zeigt sich die volle Kelle: Schneeregen, Nebel, Böen. Ich taste mich quasi im Schleichgang den Ätna herunter, gut, dass am Sonntag Morgen sonst keiner unterwegs ist.

Sozial-Episode 1: Die einzige U-Bahn Siziliens

Und die ist in Catania, ziemlich neu und nur eine Linie lang. Die nette Episode verdanke ich einmal mehr der kompletten Unzulänglichkeit von Google. Ich weiß nicht, was los ist, in Berlin lotst mich Maps quasi sekundengenau durch das komplexe ÖPNV-System der Großstadt. In Catania gibt es eine einzige U-Bahn, und Google sagt die Abfahrtszeiten komplett falsch vor. Als ich in die Station schlappe, neben der ein geschickter großer Parkplatz ist, finde ich nur zwei Putzkräfte vor. Die Signorinas sind sehr gut gelaunt und wirklich nett, wir scheitern aber in der Frage, wann denn nun die nächste U-Bahn ins Zentrum fährt, an meinen nicht vorhandenen Italienisch-Kenntnissen. Der hinzugezogene Stationsleiter kann zwar auch kein Englisch, dafür aber entdecken wir nun Google-Translator, mit dem wir es hinbekommen mir zu vermitteln, dass die erste U-Bahn um 8.30 fahren wird. Währenddessen trete ich immer wieder auf die frisch geputzten Kacheln, worauf mich die beiden Putzkräfte lachend hinweisen, bis ich mich zehn mal entschuldige und wir alle vier einen leeren U-Bahnsteig mit schallendem Gelächter füllen.

Typischer Barockstil Catanias

Catania ist sehr schön, was an diesem dunkelgrauen-hellgelben Barock liegt, in dem das Stadtzentrum erstrahlt. Für eine Stadt, die ständig zerstört wurde, ist sie wirklich hübsch. Ich komme rechtzeitig zum Stadtlauf an, der vor der Stauffer-Burg endet, wo in 48 Kategorien die schnellsten drei Menschen prämiert werden. In der Burg befindet sich das Stadtmuseum, eine ziemlich wilde Mischung von Frühgriechenland bis 19. Jahrhundert, aber mit ein paar wirklich makabren Gemälden. Insgesamt bringt mich das dann durch einen sehr angenehmen Vormittag.

Sozial-Episode 2: It’s possible in Catania.

Zurück am Parkplatz laufe ich in ein Problem. Es gibt zwei Parkautomaten zum Bezahlen des Tickets für die Schranke, einer befindet sich in einem mit Vorhängeschloss verschlossenem Warteraum, der zweite, sehr weit entfernte, ist ganz offensichtlich defekt und mit Blubberfolie abgeklebt. Aber ohne bezahltes Ticket komme ich nicht mehr vom Parkplatz. Zunächst treffe ich auf einen uniformierten Bediensteten, der mir sofort auf italienisch erklärt, dass er nur Busfahrer ist, als er aber mein Dilemma als Touri merkt, mir sehr nett den Weg zum zweiten Automaten weist – den eben defekten. Ich stehe gerade ratlos neben dem nicht funktionalen Gerät, als neben mir hupend ein Bus hält. Es ist meine neue Bekanntschaft. Ob ich jetzt hätte zahlen können? Vielleicht lag es an meiner verzweifelten Miene, jedenfalls shuttlet er mich umsonst die 500 Meter zu Gaspard zurück und zeigt mir die Notfallnummer der Parkplatzgesellschaft, die da hängt. Es könne aber sein, dass da niemand rangeht am Sonntag, und ob die Englisch könnten – viel Glück. Ich versuche mein Glück zunächst mit der Idee, dass die Schranke mich vielleicht mit unbezahlter Parkkarte herauslässt – tut sie nicht, sie fordert unerbittlich 1,50 €, damit sie aufgeht. In dieser Situation, in der ich an die Notfallnummer denke, hält auf der Einfahrt gegenüber ein Wagen, darin ein Italiener vielleicht Ende dreißig mit Fußballschal. Ich quatsche ihn an, ob er Englisch spräche. Tut er. Ob er wisse, wo ich hier einen Bezahlautomaten fände? Nach längerem hin und her, das ergibt, dass der einzig funktionierende Automat weggeschlossen ist, und der einzig zugängliche Automat im Eimer, meint er, dass das in Catania durchaus möglich wäre. Und dann tut er etwas wirklich wahnsinnig Nettes: Er wählt die Nummer für mich. Aber wahrscheinlich gehe heute am Sonntag keiner ran. It’s possible in Catania. Aber es geht einer ran. Das folgende Gespräch geht keine drei Minuten und dreht sich vor allem um die Problemlage und die Frage, auf welchem Parkplatz denn der aufgeschmissene Herr stehe. Dann legt mein Retter auf und sagt, dass der Notfalltyp mir gerade die Schranke öffne. Und tatsächlich wird der Parkplatz in dem Moment einfach freigegeben. Ich kann dem Fußballfan gar nicht so überschwänglich danken, wie ich will. Du wirst es nie lesen, aber Mann, du warst großartig.

Probleme können in Italien etwas Wunderschönes sein.

Sie entstehen viel schneller, als wir durchstrukturierten Deutschen gewohnt sind, sie werden aber auch viel kooperativer gelöst.

Ich lande letztendlich an diesem Nachmittag auf Thapsos, einer kleinen Halbinsel nördlich von Syrakus. Die ganze Ecke scheint komplett Eni-Oil zu gehören, das sind die Tankstellen mit dem schwarzen Hundevieh auf gelb. Hier ist ein großer Strandparkplatz und eine bronzezeitliche Nekropole. Eigentlich war die Halbinsel ein großer Handelsplatz der sehr frühen Mittelmeer-Zivilisationen, aber vor allem sind heute die Felsengräber, direkt in die raue Küste gehauen, heute noch sichtbar. Mindestens genau so spannend allerdings finde ich die Luftabwehr-Batterie aus dem Zweiten Weltkrieg, über die ich mehr zufällig direkt neben den bronzezeitlichen Relikten stoße. Eine ziemlich umfangreiche Abwehrstellung, ich zähle mindestens 8 Stände für große Geschütze.

Die Baracken und Gebäude sind ziemlich verfallen, wohl auch wegen Angriffen im Vorfeld der Invasion Siziliens 1943, dafür die unterirdischen Geschützkasematten sehr gut erhalten. Ein wenig vermüllt sind sie (natürlich), und die Hundeknochen und Schrotpatronenhülsen da unten stehen hoffentlich in keinem Zusammenhang miteinander. Oder erschießt in den Löchern jemand regelmäßig Streuner?

Dann soll ihm seine Flinte in die Fresse explodieren.

Mein Stellplatz hat einen tollen Blick über die Bucht und die blinkenden Öl-Raffinerien und Betankungsanlagen. Mit all den Lichtern bei Nacht ist das aus der Ferne fast hübsch.

Doch noch Schnee

Ich sitzte in Gaspard, während die Sonne untergeht und kreischende Kinder um mich herum Schneemänner bauen und Schlitten fahren. Der Schnee ist ein bisschen sulzig, die Italiener lieben ihn trotztdem.

Eigentlich war heute ein sehr nüchterner Tag.

Auf der Hälfte so einer Tour wird es Zeit für ein paar grundlegende Wartungsmaßnahmen. Einmal den Bus durchputzen, nach Catania auf der Autobahn (heute kennt Google sie plötzlich), dann zu einem Waschsalon, da eine Stunde rumhängen bis die Schmutzwäsche wieder schön sauber und trocken ist, zwischendurch zur Bar, Cappuchino und Käseteilchen. Volltanken; Zu einem großen Einkaufszentrum fahren (wegen Parkplatzsituation), dort herumhängen, Einkaufszettel abarbeiten. Für die nächsten Tage verproviantieren. Habe jetzt alkoholfreies Öttinger in der Kühlbox, live is good.

Nebenbeobachtung:

Im Italienischen Supermarkt könnte ich prinzipiell den Laden leerkaufen. Italienisches Zeug, superbillig. Auch die Spaghetti; Während aber Barilla in Deutschland immer 500 Gramm in Kartonverpackung verkauft, gibt es hier die Spaghetti in der 1000- oder 2000-Gramm-Packung, halb so teuer, dafür zu 100 % in der Plastiktüte. So passt sich also die Nahrungsmittelindustrie der lokalen Kaufpsychologie an.

Und dann fahre ich rauf auf den Ätna. Nicht ganz bis nach oben, ich habe ein bisschen Angst vor dem Schnee. Aber da, wo ich jetzt stehe, ist auch noch relativ viel, es ist eine Art Vulkanfeld-Lehrpfad mit mächtigen Lavabrocken und erstarrten Strömen. Eine Landschaft in schwarz und weiß. Gleisendes Sonnenlicht. Ich habe eine kleine Wanderung zu einem erkalteten Nebenschlot hinter mir, ohne an Sonnencreme zu denken, und hoffe jetzt, dass ich mir nicht die Fresse verbrannt habe. Aber es war ein wenig wie eine Tour durch einen anderen Planeten.

Der Ätna glühte bis gerade blutigrot im Sonnenaufgang auf, ein Rauchwölkchen schmaucht aus seinem linken Kegel. Ich bleibe heute Nacht hier, auch wenn es sicher kalt werden wird. Aber laut Netz kann man kleinere Ausbrüche bei Dunkelheit beobachten. Ich bin gespannt, ob das klappt.

Wenn mich der Werwolf nicht kriegt dann vielleicht die Lavabombe?

Messy Messina

Kommen wir zur Nachricht des Tages: Elon Musk entschuldigt sich und bekennt, dass er nun den Wert einer humanistisch ausgerichteten Politik erkannt hat, weil Gott ihm in der Nacht einen Engel schickte, der sehr überzeugend gewesen sei. Leider stimmt das gar nicht. Kommen wir zur tatsächlichen Headline:

Hurra! Ich bin auf Sizilien!

Die Nacht war wild, vor allem weil zwischen 1:19 und 1:56 Jugendliche neben meinem Van parkten, sehr laute, wenig kunstvolle Elektronik aus den Autoboxen hörten und sich dabei brüllend unterhielten, inklusive sehr betrunkener, laut kreischender junger Frau. Ich hätte aussteigen und sie zur Rede stellen können, aber mein Überlebenswille war stärker. Morgens kurz die Wäsche am Strand und dann ab zur Fähre über die Straße von Messina.

Meine Anspannung war groß, wegen online-Buchung und deutschem Clusterfuck im Kopf, aber um 9:30 fuhr ich problemlos auf die Fähre und stand um 10:15 in … SIZILIEN!!! Wetter war bombig, Wind bließ einen vom Vordeck, aber kaum Welle. Übrigens war ich zunächst am falschen Fähranleger, und dort hat mir der freundliche, aber bullige Einweiser erzählt, dass alle, die online buchen, blöd sind, denn direkt bei ihrer Fährlinie vom Autofenster aus zahlt man die Hälfte für die Überfahrt. Also als Tipp an alle, die nach mir über die Straße von Messina wollen: Die calabrische Mafia sitzt nicht böse kichernd in einer schäbigen Pizzeria, sie betreibt 24 Fähre-Ticket-Preisportale für Touristen.

Hier hat es 16 Grad im Schatten. Kaffee im T-Shirt.

In Messina Fahrrad-Fahren ist wie Rauchen an der Tankstelle: Wahrscheinlich passiert nix. Aber die Angst ist immer dabei. Und Messina selbst ist nicht weiter der Rede wert, jedenfalls habe ich bei zwei Stunden herumradeln nix entdeckt, was es in den Blog schaffen könnte. Während ich noch in Neapel das Autofahren im Stadtchaos vermieden habe, gab mir Sizilien anschließend den Crashkurs – allerdings ohne Crash, nur die Felgen hatten ein- oder zweimal Randsteinkontakt. Und während mir die erste Stunde das lustige Chaos in gewisser Weise fahrerischen Spaß bereitete, war ich am Schluss ziemlich ausgelaugt.

Exkurs: Autofahren auf Italienisch für Kartoffeln

  1. Nur weil Italiens Straßen rechtlos sind, heißt das nicht, dass sie unfreundlich und unfair sind.
  2. Taste dich heran. Imitiere die Fahrweise der durchschnittlichen Italiener*In. Klar, es gibt die Irren, die gibt es überall. Bleib entspannt. Klar, es gibt die Alten, die es nicht mehr im Griff haben. Bleib entspannt. Wie in Deutschland gehört es zur unverweigerbaren Freiheit alter Menschen, ihre Mitmenschen durch ihre Fahrweise immer zu behindern, oft auch zu gefährden, aber andere gefährden ist Menschenrecht im Liberalismus.
  3. Lerne überholen. Lerne, dich überholen zu lassen.
  4. Nur weil du dir irgend ein Verkehrsrecht einbildest, legitimiert dich das nicht, eine Sekunde deine Aufmerksamkeit von allen vier Richtungen zu nehmen und dich auf irgendetwas zu verlassen.
  5. Arschlöcher gibt es überall. Sie mögen Giovanni, John oder Johannes heißen, jedenfalls sind sie immer ein Mann.
  6. Fahre beherzt. Mache deutlich, was du fahrerisch vorhast. Nein, Martina aus Gütersloh, Blinken ist keine Verdeutlichung deiner Absichten, sondern nur eine Funktion deiner Lichtanlage. Ein Blinker kann aber faktisch durchgeführte Fahrmanöver unterstreichen.
  7. Kontaktaufnahme ist das Wichtigste. Sei freundlich und gütig. Lerne Verzeihen und gewähre Verzeihung. Schau deinen Mitverkehrsteilnehmern in die Augen, lächle, nicke, benutze deine Hände. Wenn du deine Kommunikation visuell durch die Windschutzscheibe bekommst, werden andere Menschen am Steuer dich eher mögen.
  8. Alte Menschen ZU FUSS haben Vorfahrt. Immer. Am Steuer sind sie Störfaktoren.
  9. Solange du diese Regeln beachtest, schert sich die Polizei vermutlich wenig darum, ob du theoretische Gesetze einhältst.
  10. Italien ist das Land der Gegensätze. Auf der Landstraße ist 50, nicht hundert. Du fährt aber bitte schön 30 Kmh zu schnell. Die Irren überholen dich mit 110.

Und das geht an dich Google-Maps: FICK DICH.

Fick dich und Mark Zuckerberg, der elenden Faschismus-Hure, der soll von nun an immer die nasse Badehose in den Dreck fallen und die Milch im Kühlschrank umkippen. Warum? Darum:

Wolke des Todes über Maps!
  • EIN ZIEGENPFAD IST KEINE AUTOSTRASSE!!!
  • EIN TROCKENES FLUSSBETT IST KEINE AUTOSTRASSE!!!
  • DIE EINBAHNSTRASSE IST NACH DEM ROST DER VERBOTSSCHILDER ZU SCHLIESSEN ÄLTER ALS DAS INTERNET UND WAR AUCH NOCH NIE BREIT GENUG FÜR GEGENVERKEHR!!!
  • DIE AUTOBAHN ZWISCHEN MESSINA UND CATANIA IST KEINE „UNBEKANNTE STRASSE“ UND MAN KANN DA AUCH NICHT EINFACH „NACH WESTEN ABBIEGEN!!!“

Echt jetzt: Google Maps ist eine gefährliche Fehlerquelle hier, aber man kommt auch nicht gut ohne durch. Wenn mir was passiert, dann nicht wegen den Italienern, sondern wegen der miesen Qualität des Tools im Bereich Süditalien.

So lässt sich parken …

Jetzt sitze ich in den Bergen in einem ausgetrockneten Flussbett. Na ja, daneben. Es ist ein wunderschönes Tal, sehr einsam. Auf dem Weg hierher ist mein Vorratskästchen in einem ausgetrockneten Flussbett aufgesprungen und alles schwam in Gaspard hin und her. Ein Glas Oliven, ein Döschen mit Zucker und Zimmt und der Verschluss der Mehldose sprangen auf und machten richtig viel Sauerrei. Weiß auch nicht, warum ich so blöd war da rum zu fahren, Mark.

Gaspard hat gekotzt. Ich nicht.

Oh La Paola

Der Morgen beginnt mit Nieselregen und Nebel. Eigentlich ganz gemütlich, in das Getröpfel herauszustarren und einen heißen Instant-Cappuchino zu schlürfen. Gaspard aus dem Picknickplatz zu rangieren wird aber zur Herausforderung. Die Dreckrampe ist extrem schmal und die Einfahrt mit dicken Wurzeln und alten Baumstümpfen gespickt. Mehrmals schrammt etwas am Unterboden und ich habe echt Schiss, an diesem gottverlassenen Ort hängen zu bleiben. Irgendwie komme ich auf die Straße und nach erstem Augenschein hat der Kleine nix abgekriegt.

Manchmal wäre es schon gut, jemand als Hilfe dabei zu haben.

Im Moment sitze ich am Strand. Vor mir das Meer und die Untergehende Sonne, neben mir Gaspard, und wir beide gucken in die Wellen und wie Helios mal wieder den Karren im Meer versenkt. Irre.

Wie kam es zu diesem Szenenwechsel? Zunächst mal mit einer relativ langen Fahrt durch Nebel und Regen, immer entlang der Küstenstraße oder durch die Berge parallel davon. Überhaupt: Berge. Bis jetzt war Italien eine einzige Bergstrecke. Pink Floyd trägt mich mit „dark side of the moon“ perfekt durch diese etwas melancholische Welt. Manchmal öffnen sich entlang der Strecke dramatische Ausblicke auf die Küste, azurblaues Wasser dass schnell im Horizont zu grau verschwimmt.

Die Bucht von Sari – Bei Sonne sicher der Hammer.

Überhaupt, Pink Floyd: Seit Pompeii sind sie wieder ziemlich in meinem musikalischen Fokus. In den ansonsten nicht zugänglichen Gängen für die römische Oberschicht in der Arena-Mauer gastiert nämlich gerade eine eher mittelmäßig gemachte Ausstellung zu einem Ereignis von 1972, ein Jahr vor meiner Geburt. Pink Floyd live at Pompeii sollte ein Anti-Woodstock-Musikfilm werden, in der Art, dass the Floyd ohne Publikum in den Ruinen der Arena spielten – quasi für die Toten. Die Idee war, dass Musikfilmregie ohne Publikum viel mehr erreichen kann als bei einem herkömmlichen Konzert, wenn die Unterhaltung des Publikums Vorrang vor der Arbeit mit Kamera und Szene hat. Das Projekt wurde auch als „whackiest idea in the history of rock“ bezeichnet, die Grundidee nimmt natürlich das Konzept des modernen Musikvideo vorweg. Jedenfalls verkrachte sich die Band ganz hervorragend bei den Dreharbeiten. Das Ding gibt es auch auf YouTube, so dass ich für heute Abend eine Filmnacht geplant habe. Ich möchte mal Roger Waters auf dem Höhepunkt des Schaffens von Pink Floyd von seiner heutigen ziemlich peinlichen Persönlichkeit trennen.

Nun ja, zurück zum Thema: Ich war mir heute gar nicht so sicher, wo es mich hin verschlägt. Geplant war einmal Cosenza, aber das liegt nicht am Meer. Jetzt sitze ich in Paola, wo das Wetter besser wurde – trocken. Und ich habe es gut getroffen hier.

In Paola gibt es einen riesigen Kiesparkplatz direkt vor dem Strand. Ich werde mit einem Blick auf das Wasser einpennen und auch wieder erwachen. Paola ist selbst allerdings ein ungehobener Schatz. Die steilen Berggässchen habe ich so nur in einigen griechischen Cora gesehen, eng, mit Stufen, so dass in vielen Straßen nicht mal Roller durchkämen. Wo in den Kykladen alles im Zeichen des Tourismus stehen würde, ist in Paola das ganze so ein bisschen im Dornröschenschlaf versunken. Geschlossene Strandbars verraten, dass die Küste Tourismus anzieht, aber der Ort ist ein bisschen heruntergekommen, viele Häuser sind aufgegeben, einige werden gerade renoviert. Das macht seinen eigenen Charme. Dazu kommt, dass hier alles im Zeichen des obskuren Stadtheiligen steht, einem gewissen Santo Francesco, der aber nichts mit Franz von Assissi zu tun hat. Er kuckt von jeder zweiten Fassade herunter, einmal als Fresko, einmal als Statue.

Ach ja: Ich habe heute mein erstes Eis gegessen.

Gaspard macht mir ein bisschen Sorgen. Ich finde, er zieht nicht mehr so gut wie früher, wobei „gut“ schon immer kein Thema für ihn im fünften Gang war. Aber er hat jetzt da so ein Schubloch. Hoffe mal er hält durch und dann kommt er daheim mal in Inspenktion. Hoffentlich ist es nur ein dreckiger Luftfilter oder eine abgenudelte Zündkerze. Drückt dem Kleinen die Daumen.

Es wird langsam kühl. Nachher suche ich mir irgendwo eine Pizza und dann gibts Rotwein und Pink Floyd. Und morgen dann hoffentlich die Überfahrt nach Sizilien.

Neapel sehen und skippen

Als der Morgen dämmert klären sich die Dinge. Tatsächlich befindet sich rechterhand eine ziemlich große Picknickwiese unter Bäumen mit Kletterpark. Der Wald ist gar nicht so dicht. Und der Werwolf von Tarker Mills ist ein Rudel streunender Hunde. Sie sind gar nicht mal so bedrohlich. Im Lauf des Morgens sehe ich drei von Ihnen und der größte geht mir bis zum Knie. Sie sind sehr vorsichtig mit gegenüber, aber neugierig. Einer macht sich, als ich im Bus bin, über das draußen abgestellte Kochgeschirr vom gestrigen Abend her und leckt Öltropfen aus der Pfanne. Er tut mir leid und ich wünschte, ich hätte was Besseres für einen Hund dabei, als die Ausstattung eines reisenden Vegetariers,

Ohne Nebel so gar nicht bedrohlich.

Andererseits frage ich mich, welche Auswirkungen ein Hunderudel in einem Naturschutzgebiet hat. Es sind Jagdtiere und ich ahne, was ihre Anwesenheit für alle anderen bedeutet. Als ich mit Spülen fertig bin geht es auch hinter mir schon los. Hysterisches Gekläffe, gefolgt von panischem Gewinsel. Es hört sich an, wie ein Krieg. Zuerst vermute ich eine andere, den Hunden ebenbürtige Kraft des Waldes hinter dem Radau. Die Wiese neben der Straße ist derart umgepflügt, dass es geradezu „Wildschweinrudel“ schreit. Aber Wildschweine würden auch geräuschvoll kommunizieren, wenn sie sich mit Hunden schlägern würden. Haben sie einen Fuchs in die Enge getrieben?

Ich habe wenig Lust nachzusehen. Ich muss eine Entscheidung fällen, und die lautet: Noch mal Neapel oder weiter nach Süden? Wenn Neapel, wie?

Nicht mit dem Auto.

Die Neapolitaner nennen es „lustiges Chaos“, für alle anderen Autofahrer ist es ein Alptraum, wenn man die Regeln der Regelmissachtung in Neapel nicht kennt. Aber letztendlich warnen alle Seiten im Internet Martina aus Gütersloh davor, mit ihrem WoMo sich in den Stadtverkehr von Neapel zu begeben, weil sie ihn einfach nicht verstehen wird. Also mache ich diesen Fehler wohl besser erst mal nicht.

Schließlich fahre ich das Pariser Modell. Ich suche die letzte Station der brandneuen Metrolinie L6, in der Nähe davon einen großen Parkplatz im Industriegebiet und dann shuttele ich mich mit Pegasus an den Bahnhof und hole mir ein Ticket in die Innenstadt.

Denke ich.

Um es allen hier klar zu machen: Die neue, preisgekrönte Metro-Linie M-L6 ist nicht zu verwechseln mit der Vesuv-Bahn-Linie EAV-L6, die stündlich fährt und auch über eine Stunde vor sich hin zuckelt. bis sie in der Innenstadt ankommt. Auf der Haben-Seite: Am Bahnhof bimmelt eine Glocke vor der Einfahrt des Zuges; Der Führer hupt an jedem Bahnübergang – also oft. Es gibt sogar einen Schaffner an Bord. Eine Fahrt kostet 4 Euro. Zugfahren wie in der guten, alten Zeit.

Neapel selber ist … mek. Im Grunde ist es ein großer Moloch mit einer ziemlich hässlichen Mischung aus alter Substanz, zwischen die man moderne Bauten geklatscht hat. Von Dean Martins „Napoli“ aus den Songs ist wenig zu finden. Der Verkehr ist laut und stinkt. Die Läden in den Straßen sind die selben Ketten wie überall. Müll und Trümmer allenthalben, Highlights: Eine große Boje auf einer Wiese im Park, ein ausgebranntes Motorboot auf den Steinen der Hafenpromenade, eine umgerissene Zapfsäule neben dem Gehweg. Den besten Blick hat man im Hafen, solange man von der Stadt wegkuckt.

Der Beste Blick der Stadt.

Auf dem Rückweg verpasse ich knapp meinen Zug und sitze eine Stunde auf dem Bahnsteig am Hauptbahnhof herum. Das wars für mich, ab nach Süden. Nun hocke ich irgendwo südlich von Salerno auf einem Berg und blicke mal wieder auf die Lichter im Tal.

Es wird Zeit, den alten Stiefel voll runter zu fahren.

Panik nach Pompeii

Oh mein Gott, ich sitze gerade in einem Horrorfilm! Das meine ich null metaphorisch, etwa nach dem Motto „Gaspard hatte einen Unfall“ oder „mein Geld und meine Ausweisdokumente sind weg“, sondern ganz buchstäblich! Hier gibt es auch kein Netz, also werde ich meine letzten Zeilen nicht mal hochladen können, bevor mich das Biest aus den Wäldern erwischt.

Und alles nur, weil ich auf das einzige Tannenbäumchen im Umkreis von Neapel geklickt habe. Ein Tannenbäumchen zeigt in der App einen Freistehplatz mitten in der Wildnis an, ohne Service und Betreuung. Und davon gab es im ganzen Großraum Neapel genau einen.

Jetzt sitze ich unter diesem Tannenbaum und höre das Heulen.

Es ging schon damit los, dass mich Google Maps durch die unmöglichsten, verregneten Kleinstadtsträßchen gejagt hat. Maps ist in Italien ganz besonders schlecht und fehleranfällig, kennt keine Einbahnstraßen, setzt Durchfahrten auf die falsche Seite des Häuserblocks und so weiter. Also alles ganz normal, ich stecke mit Gaspard in Gassen, die ungefähr zwei Finger breiter sind als er selbst. Danach kam aber das Serpentinensträßchen in die Berge. Irgendwann war es nur noch halb asphaltiert, weil die Seite zum Steilhang total abgefahren ist. Wenigstens war kein wütender italienischer Kleinwagen hinter mir, der mich aufgebracht bedrängte. Jetzt weiß ich, dass der Grund dafür war, dass kein Einheimischer so wahnsinnig wäre, nach Einbruch der Dunkelheit in diese Wälder zu fahren.

Dann kam der Nebel

Ich habe nur einmal einen so dichten Nebel erlebt, und da hatten wir ein Radar an Bord. Ich habe buchstäblich rechts und links die Straße nicht gesehen. Das ist schlecht bei Serpentinen. Im ersten Gang schleiche ich angestrengt durch die Suppe, dass ich am Ziel bin verrät mir nur die Karten-Navigation. Ich bin noch nie im Leben ausgestiegen, um mit Rotlichtlampe die Straße vor mir abzugehen, weil ich durch die Windschutzscheibe praktisch nichts mehr sehe. Gerade eben schon. Mit Müh und Not zu Fuß den Parkplatz gefunden und den Bus drauf abgestellt.

Aber ich habe ihn gefunden, den Parkplatz an der einsamen Grillhütte. Hoch über dem Golf von Neapel. Ich habe ihn gefunden und dachte mir: Gottseidank!

Aber jetzt ist da dieses Heulen im Wald.

Es schwellt langsam auf und ab, endet manchmal mit einem rauchigen Kläffen, nur um dann wieder anzusetzen. Und es bewegt sich irgendwo da draußen im Nebelwald hin und her. Ich weiß nicht, ob es so weit unten in Italien Wölfe gibt. Aber vermutlich sind es auch nur streunende Hunde? Nicht, dass ein Rudel streunender Hunde gerade weniger beunruhigend wäre.

Vermutlich ist es aber der Werwolf von Tarker Mills.

Und ich bin das einzige Stück Beute in seinem Revier. Er muss nur diese Blechdose knacken. Wie kriege ich mich nun abgelenkt? Vielleicht erzähle ich einfach mal von Pompeii, bis die Bestie mit geifernden Lefzen durch mein kleines Fenster bricht.

Pompeii – jeder kennt Pompeii. Ständig Fotos, Dokus. Alexandermosaik und so. Vestibühl mit Atrium. Klar, kenn ich, sollte man sich wohl mal ankucken.

Kennst du nicht.

Hier kommt mein ultimativer Pompeii-Guide, für alle, die nicht wissen, worauf sie sich einlassen.


1.) Buche online. Mit dem Strichcode auf dem Handy kommst du rein. Wenn du nur einen Tag Zeit hast, reicht das reine Pompeii-Ticket, zu mehr kommst du nicht.


2.) Geh nicht im Juli oder August. Du wirst kaum Schatten finden, aber sehr viele Menschen. Geh im Januar.


3.) Nimm nicht die Parkplätze direkt am Eingang. Da kostet dich die Stunde 3 Euro und du wirst viele Stunden parken. Fahre 1,7 Kilometer in die Stadt und parke 24 Stunden für zwei Euro.


4.) Betrete die Eingangsschleuse um 9.00. Das ist der früheste Zeitpunkt. Warum? Weil es irgendwann dunkel wird, und du wirst nicht fertig sein.


5.) Rüste dich aus. Trage sehr bequemes, aber durchaus festes Schuhwerk. Nimm ausreichend Wasser mit und ein kräftiges Vesper. Es gibt eine Snackbar auf dem Gelände, aber die, die die Preise festsetzen, wissen wie verzweifelt die meisten Besucher*Innen gegen 13.30 sind.


6.) Sowohl Sonnen als auch Regenschutz sind ein Muss, denn die meisten Dächer fehlen seit 72 n.Chr.


7.) Wappne dich für ein paar sehr herzzerreißende Anblicke.

Pompeii hat mich völlig umgehauen. Noch nie fühlte ich mich so sehr in die Antike versetzt, hatte so sehr den Eindruck, dass das ganze Leben einer Stadt zu dieser Zeit vor mir ausgebreitet wurde. Und dann ist da die schier unfassbare Größe. Das sind nicht ein paar Ruinen, das ist eine große Stadt, einiges noch gar nicht ausgegraben. Zwischen 9.00 und 16.30 habe ich so etwa 75 % der Stadt abgedeckt, darin war eine kurze Mittagspause inbegriffen (und ein paar Recherche-Zeiten). Als ich im Attrium der ersten Villa stand dachte ich: Geil, ich stehe in einer echten Römer-Villa, das ist ja der Hammer! Als ich in der 10. stand wurde mir bewusst, wie viel hier erhalten und im engsten Sinne begreifbar ist.

Und dann ist da das Forum. Und die Therme, die große und die kleine. Das Theater – auch in groß und klein. Die Handwerkerläden und die drei dutzend Garküchen mit Straßenverkauf. Tempel. Diese unfassbare Insula – eine Mietskaserne – die sie gerade ausgraben. Die Arena. Und alles bemalt. Aus dem Leben vor 2000 Jahren gerissen.

Pompeii hat mich umgeworfen.

Nichts hat mich aber auf den Anblick der römischen Familie vorbereitet, die die pyroklastische Wolke von hinten auf der Flucht erwischte. Also es ist der Abdruck der Körper im Tuffstein, ihre Knochen sind in der grauen Form noch drin. Das Kleinkind neben der Mutter gestürzt, der Vater neben dem Sohn, den Arm noch abwehrend erhoben – das hat mir schon ziemlich die Kehle zugeschnürt. Eben weil es nicht aussieht wie 2000 Jahre her, sondern weil einem alles sehr nahe und plastisch und nachspürbar erscheint.

Pompeii ist ein sensationelles Erlebnis.

Meine berührendste Entdeckung hebe ich mir aber ganz für den Schluss auf. Sie ist im Haus des perversen Sex-Patriziers, der im Eingang den Priapus mit dem Riesenpimmel hängen hatte und hinten das Vögelzimmer mit den Pornobildchen, in dem er seine Sklavin laut Graffiti den Klienten verkauft hat. Typischer Erbtumsreicher, es sind noch immer die selben problematischen Charaktere, die daraus entstehen. Alle glotzen in der Villa auf die Pimmel, kaum einer bemerkt sie:

Das Sklavenmädchen, knapp über dem Boden, mit der Weinkanne und der Pfanne. Direkt auf der anderen Wandseite vom Priapus, den alle fotografieren. Vielleicht ist es auch ein Junge. gezeichnet in einem Stil, der ebenso gut von Uderzo oder Hergé hätte sein können. Wenige, kräftige Striche, aber direkt aus dem Leben gegriffen und an die Wand gebannt.

Sie wirkt so göttlich lebendig.

P.S.: Spoiler – ich habe überlebt.

Vulkanismus im Gewerbegebiet

Von Anzio nach Neapel ist der Hüpfer nicht zu groß. Ich habe am Morgen genau einen Fischer gesehen, der starrte mich aber wirklich böse an. Zum Glück war ich schon am Fahrschuhe anziehen, sonst wäre ich womöglich als Beifang für die Fischstäbchenfabrik geendet.

Schon gegen 10.00 düse ich … um Neapel herum. Ein guter Freund hat mir die Phlegräischen Felder südlich von Neapel empfohlen, eine riesige Vulkanbubble, eine tickende Zeitbombe und ein äußerst dicht besiedeltes Gebiet, wie ich noch feststellen werde. Dante hat hier den Eingang zur Unterwelt verortet, was ja halb richtig ist, denn eigentlich ist das ja ein Ausgang für die Unterwelt, aber nun gut.

Klassische Bildung und Qualm – genau meine Schnittmenge.

Kurz nach 10.00 stehe ich nun also am Hang von Pozzuoli und blicke in ein tatsächlich ziemlich beeindruckendes kleines Vulkanfeld aus dessen weißem flachen Boden dramatische Rauchsäulen wallen. Alte Google-Einträge sind voll des Lobes über den Spaziergang durch diese einmalige Fläche, leider gab es 2017 einen tragischen Unfall, bei dem ein Kind zu Tode kam und seit dem ist der Krater „vorrübergehend geschlossen.“ Auch der Campingplatz daneben sieht völlig verrottet aus. Die Geschichte macht mich jedenfalls ein durchaus betroffen.

Es ist vielleicht keine gute Idee, mit einem Kind durch einen Vulkankrater zu laufen. Ich beschließe den Kegel zu Fuß zu umrunden, ob man eventuell von der anderen Seite noch ein bisschen besser hineinsehen könnte.

Spoiler: Kann man nicht.

Der Weg führt mich zunächst durch ziemlich tote Vororte, alles in den neapolitanischen Nationalfarben gekleidet: Rost, Beton und Plastikmüll. Außerdem ist Neapel das Land der Zäune. Fast jeder Meter der Strecke hat links und rechts Mauern oder Metallgitter, und das angesichts des Rostes wohl nicht erst seit 2017.

Zur Haben-Seite des Tages: Ich wandere teilweise im T-Shirt (zumindest bergauf) und hier wachsen im Januar Zitronen an den Bäumen. Das Projekt ab in den Frühling hätte ich damitwohl abgeschlossen.

Eine klare Warnung an herumirrende Touristen im Gewerbegebiet!

Letztendlich lande ich im Industriegebiet an der Grenze von Pozzuoli und Neapel zwischen Recyclinghof, Baubetrieb und allen Autohändlern Neapels, die sich hier ballen. Es ist wirklich, wirklich hässlich. Ich streiche den Tag im Geiste schon ab, als: Es aus dem Fordhändler raucht. Und stinkt.

Tatsächlich hat das große Autohaus zwei Minivulkane neben dem Vorplatz die kräftig schmauchen und ich bin nicht wieder 800 Meter davon entfernt. Excellent! Ein paar Meter weiter sieht der Straßenhang aus wie ein Schwamm, oben kommt weißer Qualm raus, unten Schwefel, es riecht, als hätte Donald Trump zwölf Spiegeleier in Schweinesülze gekotzt. Wenn man die Hand an die Risse hält, spürt man die Hitze! Ich bin im Paradies.

Ford hat Minivulkane

Vulkanismus at it’s finest.

So gefährlich kann es nicht sein, wenn hier jeden Tag ein paar hundert Autos mit 70 drüberbrettern. Der Nachteil ist, dass ich noch 45 Minuten von hier zurücklaufen muss, an einer Autostraße ohne Gehweg, bergauf. Eine kleine Bar mit Plastikstühlen und Süßgebäck rettet mich dann aber, betrieben von zwei sehr netten älteren Italienerinnen, die sich aber definitiv deutlich darüber wundern, wie es mich im Januar hier in diese Ecke verschlagen hat.

Zurück in Gaspard – ich brauche einen Schlafplatz und der Blick in die App beweist dass Neapel für Camper ein mindestens so schwieriges Pflaster ist wie Rom. Es gibt einfach quasi nix außer irgendwelche hässliche Parkplätze. Das Konzept Paris – in Versailles pennen, mit dem Zug reinfahren – klappt hier nicht. Das Konzept Berlin – im Außenbezirk pennen, mit dem Fahrrad reinfahren – klappt hier nicht. Ich scanne immer größere konzentrische Ringe um Neapel ab, bitte alles, bloß kein Parkplatz.

Dann ziehe ich das große Los. Einmal im Leben.

Eigentlich steuere ich das Bergdorf Caserta nur an, weil die Beschreibung in der Wildcamperapp ganz ansprechend klingt. Schöner Blick und so. Halt arschweit weg von Neapel. Auf dem Weg fällt mir schon irgendein UNESCO-Weltkulturerbe-Schild auf, aber Na ja, wir sind am Golf von Neapel, hier kannst du keine Tüte voll Plastikmüll herumwerfen, ohne was Römisches zu treffen. Dann lande ich in Caserta.

Ich habe das dumpfe Gefühl, ich war schon einmal in ähnlichen, engen mittelalterlichen Gässchen unterwegs, alle schön sauber gepflastert, kein Rost, kein Beton, kein allgegenwärtiger Müll, nur historische Bausubstanz. Könnte auf einer griechischen Insel gewesen sein. Gut, das Bergdorf besteht ökonomisch nur aus Restaurants und Krimskrams-Läden, was zeigt, dass man im Juli hier nicht herfahren muss, aber im Januar ist eine angenehme Menge an Besuchern unterwegs. Die Kirche hat eine romanische Fassade vom Feinsten. Was sage ich da, Kirche: Es ist ein Dom, ganz offiziell. Die Burg aus dem 12. Jahrhundert ist ziemlich groß, als Ruine beeindruckend und … abgesperrt. Mein Leitmotiv. aber Weltkulturerbe passt hier schon ganz gut zu dem einmaligen Örtchen. Und dann ist da dieser Blick aus meiner Bustür:

Tadaaaaaa!

Damit werde ich heute Nacht einschlafen und morgen früh aufwachen. Ich habe jetzt das erste Mal den Klapptisch und den Stuhl herausgeholt und mit diesem Ausblick über Neapel bis zum Meer gespeist. Spinatmaultaschen mit Tomatensalat hoch über Neapel, war vielleicht ein First.

Mir gehts schon ganz gut…

Alle Wege führen um Rom

Zum ersten Mal wache ich auf, weil mir kalt ist. Selbst schuld, wenn ich noch extra auf einen Berg zum Pennen fahren muss. Die Welt ist grau und neblig und wird durch einen heißen Kaffee etwas besser. Während des Frühstücks versuche ich zu recherchieren, wo man in Rom gut einen Camper abstellen kann und stürze in ein Rabbithole aus Horrorstories. Ungefähr an jedem Spot in einem 20 Kilometer Umkreis um Rom wurden Leute regelmäßig beraubt, wurde eingebrochen, gleich die Karre geklaut, von Drogendealern bedroht oder von der Polizei belästigt.

Ich war vor einigen Jahren fünf Tage in Rom und habe da schon viel gesehen. Auch auf den Stadtverkehr dort habe ich wenig Bock, wenn man bedenkt, wie Italiener schon außerhalb der Großstadt so fahren. Hmmm – weit raus fahren und den Zug nehmen? Da fällt mir ein Name auf der Karte ins Auge.

Anzio?

Heute kennt Anzio niemand mehr. Na ja, außer die, die eine ungute Faszination für die Geschichte der Weltkriege haben. Also ich. In Anzio fand 1944 eine alliierte Landung statt um den deutschen Sperriegel zu umlaufen. Die Wehrmacht wird zunächst völlig überrascht durch den Move in ihren Rücken, aber der kommandierende Befehlshaber der Amerikaner verschläft den Moment und gibt dem Gegner zu viel Zeit zu Gegenmaßnahmen, so dass am Ende die Aktion vier Monate im Brückenkopf stecken bleibt.

Anzio.

Es sind sechs Stunden Fahrt bis dahin und es sind anstrengende sechs Stunden. Nebel, Nieselregen, italienische Kleinwagen. Nur eine Playlist, die mir ein lieber Freund zusammengestellt hat, versüßt mir etwas die Fahrt. Von der Toskana sehe ich praktisch nix. Vor Rom klart es etwas auf und ich schöpfe schon Hoffnung. An der Ausfahrt ist eine Zahlstation. Sie nimmt meine Karte, spuckt eine Fehlermeldung aus, einen kleinen Kassenzettel mit viel Italienisch drauf und öffnet eine Schranke. Erst als ich an der nächsten Tanke mir den Zettel genauer ansehe, und dann aus Misstrauen Google Lens anschmeiße, kommt heraus: Es ist eine Rechnung, zahlbar in 14 Tagen. Anstatt mir eine andere Zahlungsmöglichkeit anzubieten für meine EC-Karte, die gestern tadellos funktioniert hat, wird man durchgewunken, checkt aber ohne gute Italienischkenntnisse nicht, dass man gar nicht bezahlt hat, und darf dann auf die Mahnung warten. Die Zahlungsprozedur – und natürlich kann man nicht gleich bezahlen, weil erst vier dressierte Affen im Vatikan die Daten händisch an den zentralen C64 der privaten Autobahngesellschaft übermitteln müsen – die Zahlungsprozedur verspricht lustig zu werden. Ungefähr so easy, wie seinen Führerschein umschreiben lassen in Stuttgart.

Italien kann so schön deutsch sein.

Ich bin gottfroh als ich in Anzio aussteige und direkt vor dem Parkplatz liegt: das Meer. Gleich geht es mir besser. Ich laufe über einen fast komplett einsamen Strand, strecke die Nase in den Wind und genieße 14 Grad. Am Ende kriege ich sogar noch einen Hauch Sonne obendrauf. Ja, Berge: Kann man machen. Aber Meeeeeeer ….

Endlich Palmen! Beleuchtet!

Anzios Landungsmuseum ist absolut sehenswert, weil es aussieht, als wäre es seit Jahrzehnten komplett unverändert. In einem einzigen großen Raum drängen sich tausende Artefakte, kein Fleckchen Wand wurde ausgelassen. Dabei ist die didaktische Konzeption einzigartig: Nach Familie. Offensichtlich besteht das Museum aus Privatsammlungen der Einwohner, und alle Leihgaben aus einem Haushalt haben eine eigene Vitrine, so dass sich fröhlich die einstmals verfeindeten Nationen in diesem Kriegsschrott wieder mischen. Viel von dem Zeug sieht genau so aus wie das, das ich in meinen Wäldern so finde. Einige Helme und Waffen sind derart muschelverkrustet, dass sie sich garantiert mal in einem Fischernetz befanden. Als Krönung wird ein Lehrfilm der Amerikaner aus den späten 40ern über die alliierte Italienkampagne gezeigt. Es passt alles ganz wunderbar zusammen. Ich spende 5 Euro (Eintritt war frei) und der Typ vom Empfang schenkt mir einen Kugelschreiber..

Ich esse eine billige, etwas gewürzarme Pizza, genieße die Weihnachtsbeleuchtung in Anzio und suche mir einen Platz weit draußen. Ich stehe nun für die Nacht auf einem Fischerkai an einem Kanal. Er ist sehr breit, sehr abgelegen, und voller Netze und Bojen. Es müffelt ein bisschen nach dem, was Fischfreunde lieben und normale Menschen nicht so gern riechen. Kein Fischer weit und breit.

Mal sehen, wie das morgen früh ist …

Bolo statt Böller

Ich erwache, weil mir jetzt im Gesicht doch frisch ist und draußen die ersten Autos an Gaspard vorbeiknattern. Erst mal Kaffee (instant, keine Lust jetzt vor dem Bus rumzustehen), etwas Marmorkuchen aus der Tüte und raus auf das tolle Panorama blicken.

Der Blick enttäuscht heute.

Das liegt daran, dass der strahlend blaue Himmel von gestern einem trüb-grauem Nebel gewichen ist, es sieht wieder aus wie Winter in Mitteleuropa, ein impressionistisches Gemälde zwischen hell- und dunkelgrau. Dieses Bild wird sich über den Tag hinweg auch nicht ändern, es bleibt ein grauer Samstag.

Nach Bologna ist es im Vergleich zur gestrigen Tour nur ein kleiner Hüpfer so dass ich zur Mittagszeit da sein sollte. Auf dem Weg durch die Po-Ebene kommen mir kurz Erinnerungen an einen lang vergangenen Päärchenurlaub in Brescello, frisch verliebt waren wir. Brescello kennt kein Mensch, es ist ein Kleinstädtchen, und wer noch nie von Don Camillo und Beppone gehört hat, den wird das Kaff auch nicht jucken. Aber wir waren beide große Fans der Filme und wer die alten Streifen kennt, der wird sofort das Örtchen wieder erkennen. Ich verzichte aber auf den Drang, abzubiegen und bleibe auf der A1. Gerade keine Lust auf alte Erinnerungen.

„Tante Cecarelli hat …“

„… einmal in Bologna …“ Na, wer kann mitsingen? Ich mache jedenfalls in Bologna keine Amore, sondern erstmal Jause und schwinge mich dann auf Pegasus und radele ins Zentrum. Und Bologna macht alles richtig, was Como falsch macht. Überall Fahrradwege, wo keine sind, ist es komplett akzeptiert, dass die Fahrräder mit den Autos fahren, Innenstadt sowieso gesperrt, einmal komme ich sogar an einer Reperaturstation mit Ständergestell und Luftdruck vorbei.

Auch sonst macht Bologna richtig Spaß. Das Stadtbild ist super schön, die Renaissance lebt, aber vor allem lebt die Stadt mit lauter Leuten die am Samstag unterwegs sind. Klar, die Ketten in den teuren Straßen sind der selbe konturlose Luxus-Schrott wie überall. Aber der Rest ist geil.

Auf dem Platz mit dem Neptunsbrunnen (aus der richtigen Perspektive sieht ein Finger der Statue aus, als habe Neptun einen Ständer, hihihi, knipsknipsknips der weniger helle Teil der Touris), also auf diesem Platz steht ein Typ mit Gitarre und singt „Bella Ciao.“ Er macht eine lange Vorankündigung, die ich nicht verstehe, aber was ich verstehe ist „Partigiani.“ Einige Leute singen laut mit. Klar weiß jeder, dass der Gassenhauer ein altes Partisanenlied ist, klar ist das Teil schmissig, aber: Im Italien einer Meloni bedeutet es mehr als bei uns zu Bella Ciao zu klatschen und mitzusingen. Merken wir uns das vor, wenn Merz doch mal zu den Faschos hinkippt (wie aktuell gerade in Österreich), um schön geil an der Macht zu sein. Hoffe, wir kriegen was optimistischeres als die „Moorsoldaten“ hin, um gegen die Demontage der Demokratie anzusingen.

Libertaaaaaad!

Ansonsten streune ich durch das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert, das komplett zugänglich ist, inklusive Sitzungssaal des Gemeinderats und wandelnde Kunstausstellungen. Überhaupt hängt das komplette Teil voll mit Fresken und Gemälden, so dass man fast die absolut unfassbaren Decken des Rathauses übersieht. Bologna, erst nur gewählt weil es geschickt auf der Strecke liegt, erweist sich als überaus erfreuliches Ziel, da macht mir auch das trübe Wetter wenig aus. Auf einem großen Polenmarkt im Zentrum (es sind keine Polen, aber Flohmarkt würde es nicht treffen) rede ich einige Zeit mit einem älteren Herren auf Englisch über die Kunst sich auf Englisch zu unterhalten. Mehr Meta-Ebene geht nicht.

Gegen 16.00 allerdings bin ich wieder bei Gaspard denn ich will ja für die heutige Nacht in die freie Wildbahn. Und oh boy, habe ich mir da Wildbahn auf der Karte ausgesucht. Der große Parkplatz ist toll zum Stehen und soll einen fantastischen Blick auf den Sonnenuntergang haben – den es heute nicht gibt, weil nur das graue Licht ausgedreht wird – aber der Weg dahin ist dermaßen eng und gewunden, dass mir mit Gaspard ein bisschen bange wird. Außerdem sind im Tal überall noch Anzeichen einer Flutkatastrophe zu sehen – war da nicht im Herbst was in den Medien? Klimawandel life, gestern noch vor Ihrer Haustür, morgen schon vielleicht auch in Ihrem Keller.

Wintercamping ist übrigens schwierig.

Es ist im Winter immer alles nass. Vor allem der Boden. Trockene Winter gibt es nicht. Was heißt, dass der Boden in Gaspard ständig verdreckt ist. Auch Gaspard selber ist ständig verdreckt. Komm an den Bus und die Klamotte ist schwarz. Man kann nicht gut um den Bus herum leben, es ist zu kalt und zu feucht dafür, aber manchmal muss man vor den Bus, zum Beispiel um zu kochen, und auf eine warme Abendmahlzeit lege ich als älterer Hippie mit Bus wert. Nun gut, das wäre jetzt geschafft, ich bin beim Bier, und es ist bis jetzt in Gaspard auch trotz der Höhe nicht zu frisch. Morgen Rom.

Hoffentlich ist auf Sizilien Frühling.

Winterwonderland

Ich bin gestresst wie eine Labormaus. Dieses Packen! Dieses Packen! Was muss NOCH ALLES MIT. WAS HABE ICH GERADE SCHON WIEDER VERGESSEN! Das Geschleppe. Treppe runter, Klappkorb abstellen, Bustür auf, und dann: Wohin nun damit schon wieder? Welche Klappe denn jetzt?! Und dann muss ich ja noch Pegasus aus dem Keller wuchten und hinten aufschnallen! Und dann der Klapptisch! Vom Dachboden! Und warum fängt es JETZT AN ZU SCHNEIEN!? In STUTTGART? Warum jetzt bloß SCHNEEEE!!??

Wenn ich das, was in meinem Kopf passiert, verschriftliche, dämmert mir die Erkenntnis, dass ich wohl mittlerweile tatsächlich leicht Richtung Klapse abgebogen bin. Soweit, dass mir der Gedanken kam: Lass den Scheiß doch einfach, schlaf morgen aus, zock dein Computerspiel, baller dein Hirn mit YouTube und Reddit zu, verdämmere weiter deine Tage. Anstatt wieder in einem Kleintransporter zu hausen.

Dummerweise habe ich jetzt schon allen von Sizilien erzählt.

Und dummerweise haben alle betont, wie sehr sie mich beneiden, und wie toll sie das finden, ich habe 42 gute Tipps, was es in Italien zu kucken gibt, und so sehe ich mich leider gezwungen, jetzt doch loszufahren. Gottseidank ist das so.

Als ich am 03. Januar zu Gaspard gehe, ist die Scheibe dick zugefroren. Erst hat es geschneit, dann ist der Schnee getaut, und dann der Matsch in der Nacht gefroren. Ich kratze fluchend herum, bis meine Finger gefühllos werden, dann hole ich Handschuhe und kratze weiter, mit bescheidenem Erfolg, die Scheibe ist ja auch von innen zugefroren. Schließlich setze ich mich mit dem Gasheizer ins Cockpit und lasse ihn laufen, bis das Führerhaus genug Temperatur hat, damit das Dreckseis anfängt herunterzulaufen.

Super Idee, mit einer Gasflamme hinterm Lenkrad zu sitzen.

Baden-Württemberg ist ein Wintertraum. Die Sonne scheint, alle Bäume dick verschneit, es ist weiß, die #*+!-Straße reflektiert alles gottserbärmlich, als ich mich die A81 hinuntergondele. Dennoch ist meine Laune gar nicht so mies plötzlich. Erst am Bodensee wirds wieder grün und dann ist plötzlich Europa zu Ende.

Ja, ich fahre durch die Schweiz. Nach meinen Erfahrungen in den Pyrenäen und mit Gaspards Bodentraktion möchte ich mit ihm nicht über winterliche Alpenpässe und der flachste Weg ist nun mal der Gotthard-Tunnel. Eine E-Vignette habe ich mir gestern noch geholt und ich muss sagen: Das geht online super-easy. Im Gegensatz zum Versuch, seinen Führerschein auf EU-Format umschreiben zu lassen, liebe Führerscheinstelle Feuerbach, kuckt einfach mal, wie das Ausland so arbeitet. Kann nicht so schwer sein, wenn es Ludwigsburg hinkriegt.

Also fahre ich mit dem alten rosa Lappen. Fuck you.

Es läuft super. Zürich ist verkehrstechnisch kacke, aber das war erwartbar. Dannach begrüßt mich eine dramatische schweizer Winterlandschaft. Not so geil: Die Schweiz ist nicht Europa. Eigentlich weiß man das ja und überraschenderweise wird man an der Grenze quasi gar nicht belästigt. Aber oho: Mobile Daten gehen außerhalb Europas ja auch nicht (außer man blecht extra wie vor 20 Jahren im Urlaub). Schönerweise ist der Gotthard gleich hinter Zürich angeschrieben. Nicht so schön ist die immer dickere Salzkruste auf der Windschutzscheibe, die sich auch dem Scheibenwischwasser zäh widersetzt. Warum schmeißen die so höllisch viel Salz auf die Autobahn? Nicht, dass mir eine Eisfläche lieber wäre, aber ich könnte schwören, dass das vor 20 Jahren nicht so heftig war. Andererseits: Wärmere Winter erfordern mehr Salzeinsatz, damit die Streumittelindustrie auf ihrem gewohnten Umsatz kommt. Und dann bin ich auch schon am Gotthard.

16 Kilometer Tunnel sind ganz schön dumpf.

Gegen 16.00 bin ich in Como, das liegt wieder in Europa, meiner Tagesstation. Die Schweiz ist schön für einen Transit, von Wildcampern im Netz liest man aber Furchtbares. Dann lieber Italien. Die Rush-Hour in Como ist ungefähr so wie die in New York, nur nicht so diszipliniert. Ich brauche über eine Stunde, um einen akzeptablen Stellplatz zu finden. Ab morgen muss ich mich wieder stärker in die Wildnis orientieren, aber für heute mag das gehen. Grauenhaft hässliche Straße, grandioser Blick.

In Como ist grad noch Weihnachten.

Ich wusste noch aus früheren Januarurlauben, dass in Italien die Weihnachtszeit mindestens bis zum 06.01. geht. Aber was in der Altstadt am Comer See abgeht ist definitiv abgefahren. Es sieht aus wie am 21. Dezember. Unendlich viele Leute drängen sich in den Geschäften und kaufen ein, es ist ein bisschen wie Porto, nur dass ich das Gefühl habe, dass es sich hier um Einheimische handelt. Diverse male sehe ich Leute mit eingepackten Weihnachtspaketen rennen – tauschen die alles um oder machen die hier am dritten Januar noch Bescherung? Wenn hier jemand mitliest, der mir Italienische Weihnachten erklären kann: Ich bitte darum.

Gar nicht mal so scheiße. so ein Winterabend am See

Nebenbei ist Como nun wirklich die fahrradfeindlichste Stadt bisher. Auf meinem Weg vom Berg zum Seeufer sehe ich wirklich keinen einzigen Fahrradweg, dafür ein irrsinniger Autoverkehr. Wenigstens die Altstadt bleibt ihnen versperrt, das geht auch gar nicht bei den Millionen Leuten mit Weihnachtspäckchen hier.

Ich habe jetzt eine Pizza intus und ein Moretti. Der Preis war im Vergleich zur Speisekarte verdächtig hoch, aber in Italien hat man ja nie die wirkliche Preiskontrolle. Zumindest war sie lecker, ab morgen muss ich aber wieder in den Selbstversorgermodus. Im Spätsonnenschein hatte es hier heute 14 Grad, das ist vielversprechend. Gut, ich bin wieder unterwegs. Schön, dass ich mich gezwungen habe.

Juhu! Ich bin in Italien!!!