Ja, ja, ich habe es getan, es gibt nichts mehr zu leugnen und ich ziehe das jetzt auch durch. Nichts mehr zu verlieren, halb zwölf auf der Doomsday-Uhr, Apocalypse Now, Tod oder Freiheit.

Ich habe einen VW-Bus angemietet.

So, jetzt ist es raus, alle wissen nun um mein Problem, dann kann man freier darüber sprechen. Und eine langatmige Erklärung hinterherschieben:

Schon zu Beginn meines Jahres stand auf der Planungsliste eine längere Tour durch Frankreich. Lesern dieses Blog ist ja meine langsam ein wenig krankhaft werdende Obsession mit der Westfront 1914-1918 hinlänglich bekannt und ich wollte einige Zeit damit verbringen, das gesamte Gebiet einmal in Gänze zu erfassen. Also von der Schweizer Grenze bis hin an die belgische Küste, von den Alpen an die Nordsee.

Der ursprünglich kühne Plan sah vor, Naivchen, das ich bin, mir ein Quad zu kaufen und mit dem Zelt auf dem Gepäckträger ganz naturnah durch die Wälder zu brausen. Ich hatte mal eine Quadrunde auf einer griechischen Insel, die mir sehr viel Freude bereitete, und irgendwie schien es mir als guter billiger Motorradersatz für arme Männer, der darüber hinaus nicht umfallen kann.

Aber dann kamen die Zweifel.

Was mache ich mit dem blöden Ding, wenn ich die Strecke absolviert habe? Wieder verkaufen? Soll’s ein Quad sein oder ein ATV? Wieviel PS? Welches Modell ist überhaupt in der Lage, lange Strecken am Stück zu fahren und das über Tage (laut Foren nämlich die meisten nicht). Wie bekomme ich den ganzen Scheiß für die Reise in einen Rucksack und auf einen Quad-Gepäckträger? Möchte ich mir als älteren Herren wirklich ein Dutzend Nächte in einem Zelt im Wald antun? Oder Tage auf einem vibrierenden Blechpferdsattel? Und wenn es dann in Flandern keinen Wald mehr gibt, wo verstecke ich mich mit dem Zelt? Auf dem Campingplatz? Muss man da reservieren?

Eine Menge Fragen und wenn man so viele Fragen im Kopf hat, ist vielleicht eine ganz andere Antwort die richtige. So komme ich zu einem alten VW-Bus, T3, Selbstausbau, 300.000 Kilometer auf dem Dieselmotor.

Natürlich schäme ich mich ein bisschen.

Zum einen wegen des Diesels. Aber ich habe ja in BaWü einen grüne Landesverband, der den Dieselmotor ganz rettenswert findet (Daimler vor Umwelt). Trotzdem finde ich, dass die Grünen in Fragen des guten Gewissens keinen Maßstab bilden sollten. Dann wegen des VW-Bus. Ich finde, um das Modell wird so viel abgekultet, dass man es besser meidet, zu viele Leute feiern den „Bully“ und ich bin mein Leben lang gut damit gefahren, in die entgegengesetzte Richtung zum Massengeschmack zu paddeln. Aber leider waren im Juni, als ich auf der Suche nach einem solchen Gefährt war, alle Renaults, Fords, Fiats, Opel und Skoda-Busse mit Benzinmotor bereits vergeben.

Und natürlich will ich das Schuljahresende in meinem Bundesland auf keinen Fall in Deutschland erleben. Mein Jahr neigt sich dem Ende zu, den Einfluss, den Covid-19 auf meine Pläne und meine Laune hatte/hat, habe ich an anderer Stelle ausgiebig diskutiert, und eine Art Abschiedsbrief/Review schreibe ich mal dann, wenn ich mich psychisch dazu in der Lage fühle. Noch leiste ich mir den Luxus, das mir meine Schule scheibchenegal sein kann, auch wenn das nächste Schuljahr bereits seine hässliche Fratze mit schlechten Nachrichten in mein Leben schiebt.

Was ich auf keinen Fall wollte, war ein Fahrzeug das „Camper1111“ herausschreit. Und der Innenausbau des Bussleins wirkt charmant, von außen ist es halt ein VW-Bus. Jetzt sind die Klamotten gepackt, Feldrationen gestapelt und eine Ausrüstungsliste halb durchgehakt. Ich bin heilfroh, dass ich mit dem ganzen Scheiß den Bus für mich alleine habe. Nachher um drei hole ich das Gefährt ab, lade es voll und fahre noch heute Abend Richtung französisch-schweizerischer Grenze damit.

Auf dem Weg werde ich altbekannte Gegenden sehen und im zweiten Teil mit der Champagne, der Marne, der Somme und Flandern Ecken des Ersten Weltkrieges, die mir bisher neu sind. Außerdem hoffe ich, Abends mit diesem TORTUGA-Projekt ein wenig weiter zu kommen, das lahmt.

Wie immer halte ich euch hier mit viel zu langen Tagebucheinträgen über meine Abenteuer informiert. Man kann also als persönlich mit mir Bekannter mitlesen und muss mich nicht nach der Rückkehr fragen, was ich so erlebt habe.

Wann immer ich auf der zweiwöchigen Tour Internet haben sollte.

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