Wir alle kennen Begriffe, die so sehr hohle Modeparole wurden, dass sie nach ein paar Jahren für den öffentlichen Sprachgebrauch verbrannt waren. Man erinnere sich an längst verblichene Phrasenstars wie „Multimedia“, „Globalisierung“, „ergebnisoffen“ oder „nachhaltig“, die solange von irgendwelchen Schaumschläger*innen und politischen Schausteller*innen öffentlich ausgespuckt wurden, bis sie heute nichts mehr, aber auch gar nichts mehr bedeuten, außer dass da jemand redet wie aus einer anderen Zeit.

Auch in meinem Hometurf, dem Bildungsbereich, kann ich längst verstorbene Phrasen aus der Mottenkiste ziehen: „Produktionsorientierung„, „Kritischer Unterricht„, „Standardorientierung“ haben längst hübsche Grabsteine auf dem Friedhof der Schlagworte erhalten, bei Begriffen wie „Inklusion„, „Binnendifferenzierung“ und „Freiarbeit“ (alleine der Begriff – auf Deutsch! Ohne Latein oder Englisch in der Phrase!) ahnt der erfahrene Arzt am didaktischen Puls der Zeit, dass ihre Atemzüge sehr schwach geworden sind und man ihre Namen an der Tür zum Sterbezimmer nur noch leise und verhalten ausspricht.

Wenn der Kaiser stirbt wählen die Kulturfürst*innen einen Neuen und in der Blüte seiner Herrschaftsperiode steht gerade vor uns in Hermelin und Krone: der neue Begriffskönig „Digitalisierung.“

Man merkt übrigens auch hier, der Zenit seiner Epoche ist eigentlich bereits überschritten, ein Nachfolger sollte dringend gezeugt werden.

Panik in den Höflingskammern der Bildungspolitik.

Aber noch gilt in den überalterten Kreisen der Bildungsverwaltung die Entdeckung des Neulands Internets als wahnsinnig gegenwärtige Entwicklung: „Diese-Jugendlichen-werden-in-der-Informationsgesellschaft-aufwachsen„, „Digital-Natives-von-heute„, „Für-diese-Kinder-ist-das-Smartphone-so-alltäglich-wie-für-uns-das-Fernsehen“ und so weiter und so fort, man kennt die reflexhaften Halbsätze aus den Reden und Pressemitteilungen zu Genüge.

Ich behaupte, dass hinter der Verwendung des Begriffs „Digitalisierung“ im unterrichtlichen Bezugsrahmen in der Regel eine bewusste oder unbewusste Verscheibung, ja Verfälschung des Begriffes vorgenommen wird, ja ich versteige mich zur These, dass der digitale Unterricht, wenn er heute denn irgendwo passiert, in der Regel keinerlei Digitalität zum Inhalt hat, und zwar weil die Organisatoren dieses Unterrichts selber absolut analoge Existenzen sind. Mehr noch, dass sowohl Lehrer*innenschaft, als auch Schulverwaltung, ja die gesamte deutsche Gesellschaft nicht digitalisiert sind und gar nicht digital denken und leben wollen.

Um es kurz zu machen: Ich behaupte, dass das, was im Bildungsbereich als „Digitalisierung“ des Unterrichts verkauft wird, in 90 Prozent der Fälle nur ein schnarchiger, zyklisch wiederkehrt Medienwechsel ist, wie die Menschheit ihn seit Erfindung der Höhlenmalerei regelmäßig vornimmt.

Machen wir uns nix vor: Medienwechsel können durchschlagende Effekte auf Gesellschaften und Systeme haben.

Gedenken wir der Erfindung des Buchdrucks, die klassische Medienrevolution aus dem Geschichts-Lehrplan (Oh – Entschuldigung! Meinte natürlich „Bildungsstandards!“ Ach scheiße, Sorry, Begriff verbrannt! Was haben wir gerade als Substitut für „Lehrplan“ im Phrasenschwein … äh … Mom … Ja, da ist’s, „Bildungsplan“, genau!).
Die günstigere und schnellere Verfügbarkeit von Texten, Ideen und Meinungen löste in ihrer Folge eine langsame Alphabetisierung des Westens aus, spaltete die römische Kirche, führte in 300 Jahre Religionskrieg und letztendlich in die Verbreitung der Ideen der Aufklärung und die bürgerliche Revolution. Keine schlechte Bilanz für ein frisch eingewechseltes Medium. Aber: mittlerweile ist die Geschichtsforschung ziemlich der Meinung, dass sich am mitterlalterlichen Weltbild des Normaleuropäers durch die Verfügbarkeit von Büchern erst einmal nix änderte. So zwischen 1450 und 1750 grob.

Oder die Wirkung des Mediums Fernsehen bei seiner Einführung: Die Bedrohung des Leitmediums (Spiel-)film als Unterhaltungsquelle, die Verfügbarkeit von Nachrichten-bildern außerhalb einer staatlich geführten Wochenschau im Kino, die Möglichkeit der Lifeunterhaltung, der Aufstieg des Formats „Show“ – ein massiver Wandel der Medienwelt, unbestreitbar.
Nur, dass es Life-Shows eigentlich schon seit den 20ern gab (nur eben im Rundfunk), dass Nachrichten, auch bildlich-bunt illustrierte, über die klassischen Printkanäle in jeder politischen Färbung längst schon verfügbar waren (Buchdruck, Leute, Buchdruck) und dass nun eben das Filmformat von der öffentlichen Leinwand ins heimische Wohnzimmer wanderte – klassischer Medienwechsel eben.

Um auf den Punkt Digitalisierung zurück zu kommen: Ob ich einen Chemie-Film über COOH-Bindungen nun als Zelluloid-Streifen, VHS-Kassette, DVD, Blueray oder YouTube-Video abspiele, hat nur am Rande mit analog / digital zu tun.

Das ist Medienwechsel.

Ob ich Kaiser Wilhelms Rede zum Kriegsausbruch 1914 von Schallplatte, CD oder aus dem Netz dudeln lasse – Medienwechsel. Ob ich meine bescheuerte Einstiegskarrikatur mit einer räudigen Transparent-Folie auf einen Tageslichtprojektor schmeiße oder an einem Smartboard den Schrott vom USB-Stick vor das Schülerhirn klicke – Medienwechsel. Immer nur das.

Sorry, Pädagog*innen, Schulleiter*innen, Bildungsminister*innen – das ist Medienwechsel, was ihr da der Öffentlichkeit als Digitalisierung verkauft.

Aber es ist halt einfach und billig.

Prüfen wir aber diese „aktuellen“ Bildungsprogramme weiter auf Digitalität: Die Jugend soll in der Lage sein „Fake-News“ zu identifizeren, das ist ja wohl digitaler Unterricht, oder? Bullshit, schon ich habe als 14-jähriger in den 80ern auf der Realschule kritisch Bravo- und Bildzeitungs-Lügen entlarven müssen (kritischer Unterricht ist ja aber seitdem aus der Mode gekommen). Jetzt machen wir das halt im Netz. Medienwechsel. Wir sollen uns anschauen, wie YouTuber und Influencer mit methodischen Kniffen ihre Zuschauer beeinflussen, weil ja im gefahrenstrotzenden Internet junge Menschen von Typen mit blauen Haaren angelogen werden könnten. Und wir machen das mit den Mitteln und dem (sehr guten) Methodenbaukasten der klassischen Filmanalyse, seit in den Dreißigern der Tonfilm aufkam, hat sich da außer ein paar stilistischen Moden eigentlich nix dran geändert. Funktioniert zuverlässig. Aber es ist halt nur ein Medienwechsel, vom Videorecorder zum Videostreamer, von Maos Propagandafernsehen zum Reichsbürgervideo auf der Videoplattform.

Damit ist die digitale Bildungspolitik allerdings absolut passend zur deutschen Normalo-Existenz gebastelt, denn auch die tonangebende Generation in diesem Land – weiße Akademiker mit ein paar vereinzelten *innen um die 40 oder 50 – ist genausowenig an digitalen Lebensentwürfen interessiert, wie ihr Lehr-, Bildungs-, Unterrichtsplan. Aber sie glauben es von sich. Weil sie nun ihre Biogemüsekiste über das Internet bestellen, ihre CDs in Sonos-Bluetooth-Streamingdienst-Begeisterung auf den Flohmarkt tragen und am Wochenende mit der Lebenspartner*in auf der Couch Game-of-Thrones-Seasons per Netflix glotzen, weil sie 6 Mal pro Stunde whatsapp checken und von der Türklingel über den Kühlschrank bis hin zur Vögel-Beleuchtung über dem Ehebett alles auf Smarthomesteuerung umgestellt haben, halten sie sich für digitalisiert, sind es aber gar nicht. Wer auf seinem Touchscreen herumfummelt anstatt am Lichtschalter das Rotlicht anzuknipsen hat eben nur sein Medium gewechselt und nicht mehr. Nur weil ich dabei nun eine Datenkotzspur in der Breite eines brennenden Öltankers hinterlasse und mir von einem Algorithmus der Kühlschrankfirma sagen lasse, wann ich Milch kaufen muss, habe ich beim Wunschziel, Teilnehmer*in im digitalen Raum zu sein, noch nichts, aber auch gar nichts erreicht.

Ich weiß, es ist erschütternd, aber Videokucken auf dem Smartphone ist keine Mitgliedschaft in der digitalen Gesellschaft.

Warum sollte Unterricht besser und weiter sein als die ihn umgebende Gesellschaft?

Zerlegen wir also weiter ein Schminktipp-Video in Deutsch mit den Mitteln der Filmanalyse und nicht mehr Chaplins „Great Dictator“ und fühlen uns dabei als digitale Schule, nur zu, was alle gerade machen muss irgendwie auch wahr und richtig sein, oder?

Wenn das Analysieren von Netzinhalten (Texte – Bilder – Tondateien – Bild/Ton-Dateien) aber gar nicht digitales Handeln ist, sondern nur frisch digitalisierter Medienkonsum, den es auch schon lange analog gab, was wäre dann ein digitales Projekt in der Bildungsarbeit? Kann das Netz denn dann überhaupt etwas, was es vorher ohne Digitalformat nicht längst gab?

Ja, es kann. Es erfordert aber etwas, was den meisten Deutschen (übrigens auch den jungen Deutschen) und Pädagog*innen recht schwer fällt. Es erfordert die Überwindung der eigenen Passivität als Teilnehmerin in der Gesellschaft. Ob das nun die deutsche Gesellschaft ist oder die global-digitale ist egal, jeder kann sich die nehmen, die ihm l(i)ebenswerter erscheint.

Denn was das Netz und Digitalität über den Konsum hinaus anbietet, und was wirklich das Potential zu einer großen, sozial-kulturellen Revolution in sich trägt, ist die erleichterte Möglichkeit zur Integration in eine (Welt)Gemeinschaft durch Teilhabe am digitalen Produktionsprozess. Oder um wieder mit dem Beispiel des Spätmittelalters zu sprechen: Was an Johannes Gutenberg revolutionär war, war nicht die Bibel, sondern die Tatsache, dass jetzt mehr Leute sie lesen konnten.

(Na gut, vorausgesetzt man gehörte zu den 5 % Bevölkerungsschicht, die das Geld für eine Druckbibel hatte und man konnte lesen, was immer noch ein Sonderfall in der Gesellschaft war, also eventuell ist das jetzt ein echtes Scheißbeispiel, denn die wirkliche Revolution dauerte noch gut 300 Jahre, aber das ist eigentlich von den Wartezeiten her sehr deutsch.)

Digital arbeitende Rechner, weltweit vernetzte Computer ermöglichen es in unserer Lebensperiode jedem und jeder produktiv zu sein, Werke zu schaffen und zu veröffentlichen. In einer Weise, die zuvor einer ganz kleinen Minderheit vorbehalten war. Wer einen Rechner mit Netz, wer ein Smartphone besitzt, kann zum Beispiel mittels einer kostenlosen Software einen eigenen Film zusammenschneiden und veröffentlichen, wenn er will in abendfüllender Länge und mit O-Ton, Musik und Soundeffekten. Sind wir ehrlich, in 99 Prozent der Fälle, in denen das passiert, kommt nicht-konsumierbarer Schrott dabei heraus, aber die Revolution liegt in der Ermöglichung, nicht in der Qualität der Produkte. Wo früher bereits die Kamera für die meisten Menschen unerschwinglich war, ganz zu schweigen vom nur ganz exklusiv bestehenden Zugang zu einer Verbreitungsmöglichkeit des einzelnen Werkes, reicht heute ein Billighandy aus. Ähnliches ließe sich für die Bereiche Musik, Fotografie, Text und Softwareprogrammierung als Beispiel anführen.

Digitalität bedeutet die Ermächtigung zur Produktivität in allen kulturellen-sozialen-politischen Bereichen.

Genau genommen selbst ökonomisch, nie war es so leicht einen Online-Shop für selbstgestrickte Socken aufzumachen. Auf Soundcloud werden jede Sekunde musikalische Werke/Verbrechen veröffentlicht, Blogger generieren Texte, Podcaster liefern Unterhaltung und Informationen zu allen denk- und undenkbaren Interessensgebieten. Wer früher daran scheiterte, dass die Publikation seines Produkts das Privileg einer kleinen Elite war, kann heute mit einem Klick Dinge heraushauen. Natürlich ist das auch ein Problem, Fake-News, rechte Hetze, Malware und Katzenvideomüllhalden sind eine Folge dieser verschwundenen Zugangsbarriere, aber das macht die Sache nicht weniger revolutionär. Digitalität ist Ermächtigung zur öffentlichen Produktion.

Nur dass es die meisten Deutschen eben nicht tun.

Peter und Petra Müller liegen lieber nach Feierabend vor Netflix herum und Nutzen ihre Möglichkeiten eben nicht. Vielleicht sind sie zu dumm und unkreativ. Vielleicht zu faul und zu träge, um etwas anderes zu sein als Konsumenten. Jedenfalls leben sie nicht digital, trotz 25 netzfähiger Gadgets in ihrem Reiheneckhaus neben der Bundesstraße. In Deutschland hat der digitale Sektor leider das Gesicht von Hasso Plattner, das sagt schon alles.

Aber wenn wir wollen, dass unsere zukünftige Generation weniger sinnlos vor sich hinlebt als Peter und Petra, dann müssten wir ihnen eigentlich in der Schule beibringen, diese digitalen Produktionskanäle zu gestalten und zu nutzen. Das wäre tatsächlicher digitaler Unterricht, nicht nur gefakter Einsatz eines digitalen Mediums. Auf der kleinsten Ebene ist die Teilnahme an der Digitalität das Setzen eines Likes auf Instagram oder das Verfassen eines Kommentars unter einem YouTube-Video (auch das ist vielen schon zuviel Arbeit und Öffentlichkeit). Auf der obersten Ebene ist das die Gründung von Wikipedia. Aber mit einem Portfolio, das aus Werkzeugen zur Nutzung des Internets für publizistisch-produktive Zwecke dient, wäre die momentane Generation an den Schulen tatsächlich digitaler als ihre Eltern.

Geht aber leider gar nicht.

Oder nur sehr, sehr schwer, so schwer, dass auch ich auf derartige Projekte im deutschen Bildungssystem lieber verzichte, obwohl ich behaupte, ich habe das Problem mit der nicht stattfindenden Digitalität im Unterricht erkannt. Auch ich zeige lieber einfach meine Deutsche Kriegswochenschau als Stream auf dem Smartboard und behaupte, das sei jetzt ein digitales Stück Schule. Warum?

Es fehlt für digitalen Unterricht hierzulande jeder positiv ermöglichende rechtliche Rahmen, ja es ist noch paradoxer: Die juristischen Möglichkeiten und Hürden für Lehrer*innen und Schüler*innen für angewandte Digitalität sind in den letzten 10 Jahren konsequent reduziert und zugenagelt worden. Um z.B. mit einer Klasse ein YouTube-Video zu publizieren … Ähm, nein, das geht leider wirklich überhaupt nicht, denn die Server von YouTube stehen in den USA. Insta auch. Aber nur um dieses Video zu drehen wäre bereits ein solcher Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand von Nöten, dass ich jeder Referendar*in davon abraten würde. Hier schlägt die DSGVO und das Recht am eigenen Bild dermaßen hart und unversönlich zu, dass sich Digitalität im Klassenzimmer eigentlich verbietet. Rein der vorgeschriebene formale Aufwand, der nötig ist, um einem Dreizehnjährigen rechtlich sicher ein öffentlich bezahltes Tablet in die Hand zu drücken ist dermaßen beknackt, dass man es aus guten Gründen lieber bleiben lässt und Kriegswochenschauen auf dem Smartboard vorführt. Datenverarbeitungseinverständniserklärung, Datenschutzbelehrung, Gefährdungsanalyse, Verfahrensverzeichnis, Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten … Begriffe die als Folterinstrumente für alle die gedacht sind, die versuchen mit Jugendlichen etwas Digitales auf die Beine zu stellen. Was die DSGVO an digitalem Unterrichtsmodell nicht tötet, fällt dem Komplex Urheberrecht zum Opfer, einem verordnungstechnischen Dinosaurier, den wir durch die Jahrhunderte stumpf mitschleppen. Was, wenn das Jingle für unseren Klassen-Podcast gar nicht CC ist, bzw. wenn übermorgen jemand die Rechte daran kauft? Lassen wir das lieber. Smartboard an, Doppelklick, Karikatur.

Natürlich machen das einige Lehrer*innen trotzdem, in dem sie einfach auf die Vorschriften scheißen, was eventuell das beste ist, was man mit diesem Rechtsrahmen machen kann.

Gegen diese Bremsklötze am Bildungsystem hilft es auch nicht, mit einem Digitalpakt Technik unter das Volk zu schmeißen. Man setzt sie ohnehin nicht digital ein, dafür fehlt es an der Erlaubnis. Und an Personal, das Netze und Geräte sachkundig am Laufen hält. Aber man kann so tun, als ob damit der Digitalisierung geholfen wäre.

Wir sollten Kindern beibringen, wie man eine Alexa hackt, so dass sie nur Quatschdaten sendet, wie man Smartphones per Jailbreak zugänglich für den User macht, wie man öffentlicher Überwachung entgehen kann. Jemand, der das kann, wäre ein digital Native, nicht nur ein irrelevanter weiterer User. Aber es gibt weder die Leute, die das lehren können, noch wäre so ein Unterrichtsstoff erlaubt.

Die BRD ist ergo für die Digitalität nicht bereit und hat sie längst verpennt – netzausbautechnisch, mental und – am verheerendsten – verordnungs- und verwaltungsrechtlich. Wenn eine europäische Mehrheit aus konservativen alten Menschen mit grauen Haaren verzweifelt daran arbeitet, alte, analoge Rechtspfründe in den digitalen Kosmos hinüberzuretten – Beispiel Leistungsschutzrecht -, dann hat eine digitale Orientierung der Jugend einfach geringe Chancen.

Gut möglich ist nur der Medien-Nutzer.

Aber vielleicht ist das ja kein Bug, sondern ein Feature – wer möchte schon aktive und teilhabende junge Menschen haben, wenn er auch stumpfe Konsumenten haben kann? Wer will schon eine kommende Generation, die ambitionierter und fähiger ist, als die alten, grauen Konservativen die noch immer auf dem Diesel-Mindset der frühen 90er Jahre durch die Zeitgeschichte irrlichtern?

Wer heute bei einem Bildungsministerium in der BRD Unterrichtspläne und Digitalisierungsleitfäden schreibt, hat in der Regel – das behaupte ich – keine K/D-Ratio bei Call of Duty, kann ein Pepe-le-Frog-Meme politisch nicht einschätzen, hat keinen einzigen Blog-Post bei Reddit und glaubt Disco Dingo wäre eine Pop-Band. Vermutlich müsste diese Person sogar den oben stehenden Satz mit Google für sich entschlüsseln. Natürlich teilt er diese Nichtdigitalität seiner Lebensführung auch mit den meisten 14-Jährigen, die seine Handreichungen betreffen. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

Eventuell kann man hoffen, dass die kommende Generation langsam begreift, dass diese Führungsebene keine Lösungen für aktuelle Probleme anbietet, sondern nur Teil des Problems ist, das sie selber nicht versteht. Dass man mit weißhaarigen Traumschiffkapiän*innen aus dem Seniorenzombie-ZDF einen digitalen Sternenkreuzer nicht steuern kann, und man eigentlich zunächst mal diese Generation kaltstellen und endlich in Rente schicken müsste. Und leider kann ich meine eigene Generation an dieser Stelle von der Erkenntnis der Taten- und Bedeutungslosigkeit nicht freisprechen. Eventuell sind die jungen Proteste gegen die aktuelle Klima- und Digitalgesetzgebung aber ein Zeichen der Hoffnung.

Aber so lange wir in selbsttrügerischen Zirkelschlüssen gefangen sind, solange wir glauben Netflix-Kucken sei digitales Leben, so lange werden wir uns weiter abhängen lassen bei gleichzeitiger Hybris bezüglich unserer eigenen Grandiosität in technischen Dinge. So lange wird das Netz die Sache einer kleinen Elite sein, die eine gehörig blödsinnige Masse williger Lemminge steuert und nutzt. Solange wird man das Internet und unsere netzfähigen Geräte ungenutzt liegen lassen, wenn die Menschen hierzulande nicht anfangen sie für das zu nutzen, für das sie erfunden wurden: produktiv sein.

Schöner wäre aber diese brave new world, wenn sie anders wäre. Jeder kann daran mitarbeiten: Schreibt, kommentiert, blogt, komponiert, dreht, modelliert-dreidimensional, programiert!

Und hört endlich auf diese Serien zu glotzen.

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